Montag, 28. August 2017

5 Tipps für entspannte Familienfeiern

Am Wochenende hat mein Cousin geheiratet und zu einem dreitägigen Hochzeitsevent an der Nordsee eingeladen. Ich war noch nie ein riesen Fan von solchen Großveranstaltungen und als binationales Paar kann sowas manchmal dann ja noch anstrengender sein. Wie wir dieses Fest mithilfe ein paar Vorkehrungen trotzdem gut gemeistert haben, teile ich heute mit euch.

Vorab: Kläre, was für und was gegen den Besuch der Familienfeier spricht

Meist gibt es unterschiedliche Anteile in Bezug auf solche Entscheidungen, die sich auf den ersten Blick schwer vereinbaren lassen. Ein Anteil freut sich auf das Zusammentreffen mit der Familie, während ein anderer Anteil sich eher unwohl und genötigt fühlt. Es gibt eine schöne Methode von Maja Storch, die bei solch ambivalenten Gefühlen helfen kann:

Die Affektskala

Nimm ein Blatt Papier und zeichne zwei senkrechte Striche (einmal "+" und einmal "-"), die jeweils von 0 bis 100 gehen.
Die Skala für „+“ steht für die positiven Gefühle, die man zu seiner Entscheidungsoption hat. Die Skala mit dem „–“ steht für die negativen Gefühle, die man für diese Entscheidungsoption hat. Anschließend bewertest du intuitiv deine Gefühle für bzw. gegen den Besuch der Familienfeier (benutze dazu am besten zwei verschiedene Farben). In der Regel bekommen wir bei dem Gedanken daran innerhalb von ca. 200 Millisekunden ein Bauchgefühl. Gründe für die negative Affektskala könnten sein: 
Es gibt viel oberflächliches Gerede, ich müsste mich wahrscheinlich wieder verstellen und drei Tage Familienprogramm ist eindeutig zu viel für mich. Ich bewerte die negative Skala daher mit "-70". Auf der positiven Skala könnte dann stehen: Es ist eine tolle Gelegenheit für einen Kurztrip ans Meer, ich treffe dort meine nette Cousine samt Baby& Hund und wahrscheinlich tritt die coole Band von meinem Cousin als "Special Act" auf. Deswegen bewerte ich die positive Skala mit "+80". Nun ergibt sich zwar eine leichte Tendenz zum Hinfahren, doch so wirklich befriedigend ist das nicht. Hier also ein paar weitere Tipps, wie du den Pro-Anteil weiter hebst und den Contra- Anteil erheblich senken kannst:

Tipp 1: Nach Möglichkeit mit eigenem Auto anreisen

Ein eigenes Auto (in unserem Fall geliehen von meinem Opa) hat wirklich einige Vorteile in diesem Szenario. Du kannst selbst entscheiden, wann du an - bzw. abreist und hast damit viel mehr Einfluss auf das Ganze. Wir haben uns beispielsweise dazu entschieden erst Samstag zur Trauung anzureisen und die große Welcome Party sausen zu lassen. Am Sonntag haben wir uns dann auch schon gegen Mittag von allen verabschiedet und noch einen Trip nach Den Haag angehängt. Ohne eigenes Auto wären wir von der Laune meines Vaters abhängig gewesen, würden bis spät abends ausharren müssen und die Autofahrt wäre auch nicht so entspannt. All das hätte die Negativskala deutlich weiter nach unten gezogen. Mit eigenem Auto und der dadurch gewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung sah das Ganze aber schon deutlich vielversprechender aus.

Tipp 2: Auf die eigenen Bedürfnisse achten

Hier kannst du dich fragen: Wie viel Kontakt tut mir gut? Muss ich mich wirklich von jedem "vollquatschen" lassen, oder gibt es zwischendurch Rückzugsmöglichkeiten? Meist kann es helfen sich am Esstisch in einer Ecke zu positionieren und am besten noch neben den zwei Lieblingsmenschen der Veranstaltung. Dadurch stellst du sicher, dass du den Großteil der Zeit eine gute Begleitung haben wirst. Das gleiche gilt übrigens für deinen Partner. Gibt es jemand, der vielleicht die eigene Sprache spricht oder sonst irgendwie weltoffen ist? In unserem Fall war das die Freundin meines Cousins, die ebenfalls aus Südafrika ist und die einfach immer gute Laube verbreitet.

Tipp 3: Den eigenen Weg selbstbewusst vertreten

Auf Familienfeiern bekommt man ja gerne mal unangenehme Fragen gestellt. "Und was macht die Jobsuche?" oder "Wann geht's wieder nach Afrika?". Auch wenn diese Fragen oft gut gemeint sind, können sie endlos nerven und einen im schlimmsten Fall am eigenen Weg zweifeln lassen. Hier heißt es offensiv entgegenwirken. Überlege dir im Vorfeld einige Standardantworten auf diese Fragen. Ein selbstbewusstes "Uns geht es gut, und wie sieht's bei euch aus?" kann meiner Erfahrung nach Wunder wirken. Manchmal kann man auch sagen "das möchte ich jetzt ehrlich gesagt lieber nicht näher ausführen, vielleicht in einem anderen Setting". Du bestimmst, was du mit deinen Verwandten teilen möchtest und dazu hast du auch alles Recht der Welt.


Tipp 4: Sorge selbst dafür, dass du eine gute Zeit haben wirst

An jeder Familienfeier gibt es auch was positives. Sei es das leckere Drei-Gänge Menü, das süße Baby deiner Cousine oder die riesige Tanzfläche mit dem geilen DJ (die war wirklich der Hammer bei unserem Event und so haben wir die halbe Nacht dort abgedanct). Auch der Strandspaziergang am nächsten Morgen war herrlich. Indem du deinen Fokus auf diese Dinge richtest du sie voll auskostest, steigerst du die Positivskala und sorgst dafür, dass du trotz sämtlicher Umstände eine gute Zeit haben wirst. 

Tipp 5: Die Menschen anlächeln und ihnen ernstgemeinte Komplimente machen

Dieser Tipp hat es in sich. Schau dich im Raum um und überlege dir, was dir besonders positiv auffällt (entweder die Deko, ein Kleid, ein Haarschnitt etc.). Geh zu dem anderen hin und teile dein ernstgemeintes Kompliment. Du wirst sehen wie sehr sich dieser darüber freuen wird. Ein Lächeln ist die stärkste Verbindung zwischen Menschen und du wirst so viel Freude und Dankbarkeit in dir verspüren. Die Menschen werden dich als überaus sympathisch in Erinnerung behalten und es dir deshalb auch absolut nicht übel nehmen, wenn du nach der Hälfte des Abends schon ins Zimmer verschwunden bist. So oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Dazu braucht es noch nicht einmal besondere Sprachkenntnisse, sondern einfach nur die Geste von Herzen.

Ich hoffe ihr konntet das ein oder andere für euch mitnehmen. Teilt gerne eure eigenen Strategien für solche Momente unten in den Kommentaren. 

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche,
Mira


Donnerstag, 3. August 2017

Hochsensibilität - vom Leidensweg zum inneren Kompass für mehr Lebensqualität und Ausgeglichenheit

Die Natur hat es seit je her so eingerichtet, dass ca. 15-20% aller Menschen (und Tiere) "hochsensibel" sind und damit spezielle Aufgaben für das Fortbestehen ihrer Gattung übernehmen. So sind Hochsensible ihrem Wesen nach die geborenen Berater, Heiler und Wissenschaftler.


Doch in der heutigen Zeit führen zahlreiche Faktoren dazu, dass sich diese Menschen besonders schnell gestresst, überfordert und ausgelaugt fühlen. Zwar kämpfen alle Menschen mit Hektik, Reizüberflutung und Großstadtlärm, doch leiden Hochsensible signifikant stärker unter diesem erhöhten Lebenstempo.

Warum ist das so? Die amerikanische Forscherin Elaine Aron geht davon aus, dass dies mit der Reiz- und Informationsverarbeitung dieser Menschen zu tun hat. Hochsensible haben nicht etwa schärfere Sinne, aber sie verarbeiten hereinkommende Informationen deutlich ausführlicher. Hier nun ein paar häufige Merkmale von Hochsensibilität:

- Hochsensible nehmen über ihre Sinne besonders viele Nuancen.
- Die vielen Details überwältigen und stören sie oft.
- Sie spüren Stimmungen anderer sehr deutlich.
- Sie haben eine reiche innere Erlebniswelt.
- Sie träumen, fantasieren und betrachten ziemlich viel.
- Hochsensible können besonders sorgfältig, bewusst und aufrichtig sein.
- Sie brauchen überdurchschnittlich viel Zeit zur Verarbeitung und zur Erholung.
- Sie können tief berührt werden durch Kunst und Schönheit.
- Sie fühlen sich in der Natur zuhause und sind mit ihr verbunden.
- Sie brauchen Stille, Ruhe und einen übersichtlichen Lebensrhythmus. 
                                                                                            (Quelle: Susan Marletta Hart)

Der Umgang mit emotionaler Sensibilität, das stark ausgeprägte Empathievermögen sowie die Fähigkeit sich mit anderen auf tiefem Niveau zu verbinden macht das Leben für Hochsensible einerseits sehr reich, andererseits aber auch sehr schwierig.

Doch es gibt Strategien, die uns helfen können auf eine gute Art und Weise mit der eigenen Hochsensibilität umzugehen und sie als inneren Kompass zu mehr Selbstvertrauen und Lebensfreude zu nutzen. Jeder Mensch hat hierfür seine ganz eigene Mischung und ich teile nun meine Erkenntnisse und Methoden mit euch:

Zunächst einmal hat es mir geholfen zu wissen, dass ich "hochsensibel" bin. Auf einmal hat so viel einen Sinn gemacht und ich hatte tiefe Einsichten in meine angeborene Konstitution. Das Buch "Achtsam Leben mit Hochsensibilität" von Susan Marletta-Hart fiel mir Anfang 2012 in die Hände und gab mir den entscheidenden Anstoß für eine Änderung meiner Selbstwahrnehmung.

Die Autorin gibt einem in diesem Büchlein ganz wunderbare Übungen und Fragen zur Reflektion an die Hand. Eine Übung hat z.B. mit dem genaueren Betrachten des eigenen Energiehaushaltes zu tun. Der Grundgedanke ist, dass es Aktivitäten gibt, die uns Energie geben und welche, die uns eher Energie nehmen. Hier meine Liste von damals:

Gibt mir Energie
Nimmt mir Energie
Tanzen
Menschenmassen
Authentischer Austausch
Stress /Druck
Schöne Musik
Wenig Schlaf
Singen
Mich zu verstellen
Spazieren gehen
Kälte
Spirituelle Bücher
Negative Gedanken
Gesundes Essen
Zukunftsangst
Natur
Mich zu sehr anpassen
Stille
Lärm
Lieben
Lange wach bleiben
Meditieren
Shoppen
Bewertung loslassen
Ungesundes Essen

Beim jetzigen Draufschauen bin ich erstaunt wie treffsicher ich dies damals schon benennen konnte. Das zeigt, dass wir tief in unserem Inneren bereits wissen, was wir brauchen, um uns besser zu fühlen. Wir alle haben diesen inneren Kompass in uns, der uns leiten kann. Die große Herausforderung besteht allerdings darin auf unsere Impulse und Eingebungen zu hören, ohne Angst zu haben dann als "merkwürdig" oder "empfindlich" abgestempelt zu werden.


Auch heute fällt es mir noch schwer auf meine Bedürfnisse nach Ruhe, Rückzug und Selbstfürsorge zu hören, besonders wenn ich mich damit gegen die Bedürfnisse der anderen entscheide. Doch wenn ich mich übergehe, bezahle ich meist mit zunehmender Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Dieses Wissen hilft mir dann es beim nächsten Mal besser zu machen.

Für viele Hochsensible geht es um eine Fokusverschiebung von Quantität (schneller, weiter, höher) zu mehr Qualität (bewusster, tiefer, menschlicher). Frag dich einmal: Was bedeutet Lebensqualität für mich persönlich? Worauf will ich meine Aufmerksamkeit wirklich richten?

Aufrichtige Aufmerksamkeit für mich selbst und die eigenen Bedürfnisse hat nichts mit Egoismus zu tun. Im Gegenteil. durch ein tieferes Verständnis von uns selbst sind wir auch offen für die authentische Wahrheit des anderen. Zudem ist eine erheblich gestärkte Selbstliebe einer der größten Schlüssel zur Wiederherstellung körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit.


Doch nicht immer lässt sich eine Überreizung vermeiden. Susan Marletta-Hart rät deshalb zum Zusammenstellen eines persönlichen Rettungsset für stressige Zeiten. Auch diese Übung möchte ich mit euch teilen:

Mein Rettungsset: Was hilft mir um Stress zu vermindern?

Hören: Klassisiche Musik, Binaural beats, Soul music, Stille
Sehen: Kerzenlicht, Natur, Abgedunkelte Räume, Sonnenuntergang
Geruch: Jasmin, Lavendel, Wildrose, Schokolade
Fühlen: eine Umarmung von Herzen, Massage, Baden, Tiere streicheln, Kuschelige Decken
Sprechen: die beste Freundin anrufen, Tagebuch schreiben
Schmecken: nahrhaftes Essen, dunkle Schokolade, einen liebevollen Kuss
Bewegung: Tanzen, Singen, Spazieren gehen, Ausschütteln, Mittagsschlaf

Ich habe mir mit der Zeit angewöhnt mögliche Stressquellen frühzeitig zu erkennen und sie weitestgehend zu meiden. Indem ich meine Zeit bewusst mit energiespendenden Aktivitäten fülle, kann ich meine Akkus gut aufladen und kann dann im Gegenzug auch für andere eine Hilfe sein. Meine Teilzeitstelle in der Flüchtlingshilfe gibt mir den perfekten Rahmen meine (hochsensiblen) Talente einzusetzen, ohne mich dabei zu verausgaben. Ich verzichte gerne auf mehr Geld, da ich im Gegenzug mehr Zeit und Lebensqualität gewinne und auf dieses Gleichgewicht kommt es mir an.

Ich hoffe es waren für dich ein paar wertvolle Tipps dabei, so dass auch du mit deiner Hochsensibilität gut leben kannst. Schreib mir gerne einen kleinen Kommentar und berichte was dir am besten hilft und womit du vielleicht noch die größten Probleme hast.

Alles Liebe,
Mira

Mittwoch, 19. Juli 2017

Eine Reise zu mir selbst - und wie sie womöglich auch dir dienen kann...

In den letzten Wochen habe ich keine wöchentlichen Blogbeiträge geschrieben, weil ich mich auf eine Reise begeben habe, die meine gesamte Aufmerksamkeit gefordert hat - die Reise zu mir selbst!

Zwar bin ich schon seit vielen Jahren damit beschäftigt herauszufinden wer ich bin und wozu ich hier bin, doch die letzten Wochen waren diesbezüglich nochmal extrem intensiv. Dadurch, dass ich meinen Master abgeschlossen habe, hatte ich auf einmal ganz viel Zeit zur Verfügung. Ich wusste, dass ich diese Zeit für persönliche Weiterentwicklung nutzen wollte und endlich mal wieder nur was für mich machen wollte. Durch Zufall bin ich auf Laura Seiler gestoßen und habe mich dann direkt bei ihrem Online Programm angemeldet. Vier Wochen intensive Selbsterfahrung und ich muss sagen, dass es eine super Investition war (als Student bekommt man sogar 50% Rabatt).

Es hat mich nochmal neu ausgerichtet auf meine Vision von mir selbst in drei Jahren und wie ich mein Leben aus ganzem Herzen gestalten möchte. Gleichzeitig konnten durch die geführten Meditationen alte Wunden heilen und blockierende Glaubenssätze freigelegt werden.
Ich fühle mich nun so viel mehr in meiner wahren Kraft und bin angefüllt mit tiefer Liebe und Dankbarkeit. Das wollte ich heute mit euch teilen, denn vielleicht wird Laura Seiler ja auch euer Leben berreichern. Sie hat übrigens auch ganz wunderbare Podcasts auf Youtube.



Jedenfalls bin ich gerade an einem entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben angekommen. Ich fühle mich nun endlich bereit mit  meinen Gaben und Talenten sowie mit all meinem Wissen nach außen zu treten und sie der Welt zur Verfügung zu stellen. Here I come...

Ich habe einen Masterabschluss in Empowerment Studies, eine Coachingausbildung, weitere Weiterbildungen im Bereich Berufsorientierung und lösungsorientierter Beratung sowie ganz viel Lebenserfahrung was erfüllte, binationale Partnerschaften und Auslandsaufenthalte angeht.

Fortan biete ich daher kostenlose Einzelsitzungen zu zahlreichen Lebensthemen an und wünsche mir dafür lediglich euer ehrliches Feedback, um mich weiterentwickeln zu können und meinen Traum zu verwirklichen.

Also wenn ihr Lust habt euer Leben auf die nächste Stufe zu heben, dann meldet euch gerne bei mir. Ich freue mich über jede Anfrage!

P.S: Ab jetzt werde ich nur noch ca. alle drei Wochen einen Blogbeitrag veröffentlichen, dafür aber jedes Mal mit ganz viel Liebe. Falls ihr bestimmte Themenwünsche habt, schreibt mir eine Nachricht.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag!
Eure Mira

Mittwoch, 28. Juni 2017

Diese doofe Ungeduld hat ein wirksames Gegenmittel

Wer kennt sie nicht - die Ungeduld? Wollen wir nicht alle insgeheim schon drei Schritt weiter sein? Die Ungeduld endlich wissen zu wollen was hinter der nächsten Kurve unseres Lebensweges auf uns wartet?


Bei mir war es jedenfalls seit ich denken kann der Fall. Vielleicht weil ich einen älteren Bruder habe, der mir, egal wie sehr ich mich auch anstrengen mag, immer 3,5 Jahre voraus sein wird. Als Jugendliche konnte ich es kaum erwarten endlich erwachsen zu werden. Abi in der Tasche- dann fängt das Leben an! Endlich kann ich  raus in die Welt ziehen (wie es mein Bruder mir vorgelebt hat).

Doch die ständige Ungeduld hat einen großen Haken - wir empfinden die aktuelle Realität als Hindernis, welche uns von dem Beginn unserer glorreichen Zukunft abhält. Dieses Denken produziert viel Leid und Unglück, denn Tatsache ist, dass die Zeit nicht schneller vergeht, nur weil wir es uns sehnlichst wünschen. Im Gegenteil, je mehr wir gebannt auf das Ziel hinfiebern, desto zähfließender wirkt jeder Schritt dorthin. Getreu dem Motto "Wann sind wir endlich daaa?" oder "Wie lang dauert es noooch?"

Die ersehnte Zukunft wird glorifiziert und der momentane Zustand erscheint dagegen unerträglich. Ein Beispiel sind die Vorstellungen von Ferien, wenn wir gerade in einer stressigen Lernphase stecken und und jede Stunde über den Büchern wie eine Strafe Gottes vorkommt. Wir können den Moment der Abgabe kaum erwarten, denn erst dann fängt das wahre Leben an...

Ja, Ungeduld kann einem das Leben ganz schön zur Hölle machen, denn sie erschafft diese riesige Kluft zwischen dem Jetzt und der sehnlichst herbeigesehnten Zukunft.

Aber es gibt ein Gegenmittel - die Kultivierung von Vertrauen in den natürlichen Ablauf der Dinge. Ich denke dabei oft an die Jahreszeiten. Im Winter sehnen wir uns beispielsweise nach warmen Sonnenstrahlen und verfluchen die Minustemperaturen. Doch das ändert nichts am natürlichen Ablauf der Dinge. Der Winter hat seinen Platz genauso wie der Frühling, Sommer und Herbst. Es ist ein perfekter Kreislauf der Natur.

Jetzt haben wir Menschen zwei Möglichkeiten: Uns dagegen zu stemmen und uns fortlaufend zu beklagen oder mit dem Fluss zu schwimmen und lernen den Moment zu genießen. Zugegeben, es fällt manchmal schwer, aber auch ein nasskalter Wintertag kann mit einem wohlig heißen Bad zelebriert werden. Und auch einer intensiven Lernphase kann etwas Positives abgewonnen werden, schließlich erweitern wir unser Wissen und entdecken was in uns steckt. Sowohl Dauerferien als auch kontinuierlicher Sonnenschein sind nicht förderlich für Wachstum und die Entfaltung unserer Potentiale. Es braucht dieses natürliche Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Erholung, Sonne und Regen...


Wie wäre es also methaphorisch gesehen mit einem kleinen Regentanz, in der Gewissheit, dass die Sonne schon bald wieder scheinen wird? Dann feiern wir das Leben in all seiner Fülle und erkennen womöglich den Sinn im Sprichwort - "der Weg ist das Ziel".

Alles Liebe,
Mira

Mittwoch, 31. Mai 2017

Wichtige Botschaft aus der Zukunft

Es wird die Zeit kommen, da werden wir uns die Hand reichen und erkennen, dass wir auf tiefster Ebene eins sind. Unsere Individualität existiert nur an der Oberfläche und ist dazu gedacht sie mit Freude zu entdecken und auszuleben, anstatt sich in ihr zu verlieren und zum Narzissten zu mutieren.


Es gibt diesen gemeinsamen Kern, der alles umschließt und aus dem wir alle stammen. Manche bezeichnen ihn als Gott, andere als die Stille und wieder andere als die Quelle allen Seins. Ich gehe mit der Umschreibung "heilige Liebe" sehr stark in Resonanz, aber das ist für jeden unterschiedlich.

Die Fähigkeit zu lieben wohnt letztlich uns allen inne. Je mehr wir unser Herz öffnen und wahrhaft lieben lernen, desto glücklicher und harmonischer wird unser Leben. Eines Tages werden wir schon im Kindergarten lernen was "lieben" wirklich bedeutet und es wird unsere Welt revolutionieren.

Es wird keine Klassengesellschaften mehr geben, keinen Fremdenhass und keinen sinnlosen Konsum. Wir werden aus unserem Sklavendasein befreit werden und können unsere Zeit nun den Dingen widmen, die für uns wirklich von Bedeutung sind.


Wir werden weniger vor dem Smartphone abhängen und mehr echten Kontakt zu den Menschen in unserer realen Umgebung haben. Wir werden uns gegenseitig dabei unterstützen unsere Talente und Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Jeder Mensch hat eine besondere Gabe.

Es wird keinen Konkurrenzkampf mehr geben, denn es ist genug für alle da. Wir werden eine Fülle erleben, so wie es für uns aktuell kaum vorstellbar ist. Gesundes, nahrhaftes Essen für alle Bewohner dieser Erde, sauberes Trinkwasser und eine frische Luft, die uns revitalisiert.

Tiere werden vergnügt unter uns leben, Kinder brauchen keine Angst mehr zu haben und können sich frei austoben. Unsere Intuition wird uns fortan sicher leiten, die Zeit der selbsternannten Anführer ist vorbei. Wir sind die Schöpfer unseres Lebens!

Die Menschen werden mehr lachen, singen und tanzen. Es wird wieder kleinere Gemeinschaften geben, wo jeder sich zugehörig fühlt und in seinem Wesen tiefste Anerkennung erfährt. Wir werden in Flüssen baden, auf Bäume klettern und Blumen pflücken. Einfach weil es das Herz erfreut!

Ja, das alles scheint fantastisch und leider auch unendlich utopisch. Wie weit sind wir von einer solchen Welt entfernt? Stehen wir nicht kurz vor dem Ausbruch des Dritten Weltkrieges?

Schon möglich, denn manchmal muss die "alte Welt" erst zusammenbrechen, damit Raum entsteht für das neue Bewusstsein. Vielleicht besteht uns eine Phase voller unvorstellbarer Gräueltaten bevor. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Es liegt an uns wie viel noch geschehen muss, damit wir endlich aufwachen und uns die Hand reichen. Nutze die Kraft der Gegenwart!

Wir werden erkennen, dass Krieg niemals die Lösung ist und dass uns nur Liebe und Vergebung in unsere Freiheit führen. Letztlich ist die Zukunft schon hier und es ist die Entscheidung jedes Einzelnen in welche Richtung das Leben weitergeht.

Wofür entscheidest du dich? Liebe oder Angst? Denk dran, deine Stimme zählt!

Alles Liebe,
Mira

Donnerstag, 25. Mai 2017

50 Dinge, die dir den Tag versüßen

In den letzten Wochen war ich oft angespannt, gestresst und zurückgezogen. In Kürze gebe ich meine Masterarbeit ab und dieser ganze Prozess hat nochmal einiges hochgewirbelt für mich (hier nachlesbar).
Ich merke, dass es Zeit ist mich wieder vermehrt mit meiner Freude zu verbinden und deshalb nutze ich diesen Beitrag, um 50 Dinge aufzuschreiben, die mir erfahrungsgemäß guttun und meine Stimmung heben. Wer weiß, vielleicht ist da ja auch die eine oder andere Inspiration für dich dabei.


  1. (Mit dem Partner) einen schönen Spaziergang machen
  2. Im Café sitzen und Leute beobachten
  3. Ein heißes Bad nehmen
  4. Einen guten Film gucken
  5. Wild durch die Wohnung tanzen
  6. Zärtlichkeiten austauschen
  7. Tiere streicheln (oder einfach nur beobachten)
  8. Mit Mama telefonieren
  9. Ein gutes Buch lesen
  10. Musik hören und laut mitsingen
  11. Was leckeres kochen
  12. Lecker bekocht werden 😉
  13. Eine geführte Meditation hören
  14. In den Zoo gehen
  15. Eine Massage erhalten
  16. Blumen pflanzen
  17. Tagebuch schreiben und alte Einträge lesen
  18. Mit Gleichgesinnten stundenlang philosophieren
  19. Eine Fahrradtour machen
  20. Eis essen!!!
  21. In Second Hand Läden gehen
  22. Mit guten Freunden treffen
  23. Ausschlafen
  24. Frühstück ans Bett bekommen
  25. Eine Runde "Mensch ärger dich nicht"
  26. In fremde Länder reisen
  27. Von anderen Kulturen lernen
  28. Den Fahrtwind bei offenem Fenster spüren
  29. Eine gute Tat vollbringen - einfach so!
  30. Im Park grillen
  31. Ein Lächeln von Herzen
  32. Sportlich aktiv sein
  33. Zufällig alte Bekannte treffen
  34. Die Seele baumeln lassen
  35. Mit Kindern spielen
  36. Einen Sonnenuntergang bestaunen
  37. Sich lustig verkleiden
  38. Frühstück auf dem Balkon
  39. Einen Ausritt mit dem Pferd
  40. Salsa tanzen (mit guten Tänzern)
  41. Einen Lachflash kriegen
  42. Bergsteigen
  43. Einen Beauty-Tag einlegen
  44. Ein überraschendes Kompliment bekommen
  45. Schwimmen
  46. Einen Kaffee genießen
  47. Stolz auf mich sein
  48. Glückliche Menschen sehen
  49. Albern sein
  50. Dankbarkeit empfinden
Wow, allein das Aufschreiben dieser Dinge macht mich glücklich! Es gibt so viele wundervolle Dinge im Leben. Dir werden wahrscheinlich noch 1000 weitere einfallen. Probier es aus und teile ein paar, wenn dir danach ist! Hmmm, mal sehen welche Dinge ich heute schon umsetzen kann 😋

Alles Liebe,
Mira

Dienstag, 16. Mai 2017

Erwartungsdruck und Leistungsanspruch - wie ich mich befreit habe

Erwartungsdruck ist ein fieses Gefühl! Es wirkt sich auf verschiedene Ebenen der Körper-Geist-Seele Einheit aus. Ich neige zum Beispiel dazu Magenschmerzen zu bekommen, so ein übles Gefühl im Bauch. Andere bekommen Kopfschmerzen, Muskelverspannungen oder andere psychosomatische Symptome. Werden diese Zeichen des Körpers ignoriert, kommen nach einiger Zeit meist noch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Antriebsschwäche dazu. Reagiert man auch darauf nicht, streikt der Körper irgendwann komplett und man ist quasi handlungsunfähig. Diagnose: Depression! Nichts geht mehr. Das Leben hat einen in die Enge getrieben und fragt: Möchtest du wirklich so weiter machen?

Erwartungsdruck kommt meist aus der Kindheit. Wir wollten unsere Eltern so gerne stolz machen und strengten uns daher besonders an, um möglichst unter den Besten zu sein. Problematisch wird es dann, wenn wir anfangen unsere Freude zu verlieren und immer verbissener um unseren Platz im Sonnenlicht kämpfen.


So ist es mir ergangen. Aufgewachsen in einer Akademiker Familie mit Überflieger-Noten, fühlte ich mich schon schlecht, wenn ich nur mit einer "3-" nach Hause gekommen bin. Meine Eltern gaben sich wirklich alle Mühe, sich nichts anmerken zu lassen, doch ich spürte sehr wohl, dass ich "unausgesprochenen" Erwartungen nicht so ganz gerecht werden. Es gab durchaus Fächer wo ich glänzte - Pädagogik, Deutsch, Englisch und Philosophie zum Beispiel, aber der Fokus lag immer mehr auf den Fächern, wo es noch etwas hakte - Mathe, Physik, Chemie und Französisch. Ich fühlte mich dumm und minderwertig, und das, obwohl ich alles andere als "versetzungsgefährdet" war.

Damals war ich 15 und wollte unbedingt ein Auslandsjahr machen. Mein Vater machte mir den Deal, dass er den Aufenthalt finanziert, wenn ich es schaffe mit einem gewissen Notendurchschnitt eine Klasse zu überspringen. Ich willigte ein und strengte mich fortan sehr an. Es funktionierte. Meine Noten wurden besser und ich durfte nach Australien. Auch nach meiner Rückkehr wurden meine Noten immer besser. Ich hatte endlich verstanden wie das System Schule funktioniert: Du findest heraus, was der Lehrer hören will, lernst alles brav auswendig und käust es dann in der Klausur wieder. Originelle Gedankengänge könnten hingegen missverstanden werden und zu Punktabzug führen. Das Abitur meisterte ich mit 1,8 (und war damit trotzdem die Schlechteste in meiner Familie). Ehrlich gesagt, war ich einfach nur froh, dass es vorbei war (wie man auf dem Bild sieht).


Nach dem Abitur bin ich dann das erste Mal nach Afrika gefahren und habe dort eine ganz andere Art zu leben kennengelernt. Die Menschen schienen viel lockerer, glücklicher und präsenter. Das tat mir richtig gut und ich dachte innerlich: Ach, so möchtest du fortan auch in Deutschland leben. Ich freute mich auf ein Studentenleben in Freiheit.

Leider musste ich schnell feststellen, dass die Uni nicht sonderlich anders funktioniert. Wieder ging all meine Energie ins Auswendiglernen von irgendwelchen altbacken Theorien. Ich wechselte nach einem Semester frustriert den Studiengang und war fasziniert von der Wahlfreiheit und den vielen interessanten Kursen, die mir nun offen standen. Wären da nur nicht die vielen Hausarbeiten gewesen.

Egal wie interessant das Thema war und wie viele Stunden ich mit Literaturrecherche verbracht habe, ging es ans Schreiben, kam ich jedes Mal mit einer Armee unguter Gefühle in Kontakt. Meine Strategie: Noch mehr recherchieren, erstmal Copy-Paste und dann das Ganze irgendwie in eine wissenschaftliche Form bringen. Das klappte auch erstaunlich gut, nur fühlte ich mich als Betrügerin. Was davon war mein eigener Anteil? Mein kreativer Input schien nicht willkommen (außer im Fazit vielleicht). Ich schloss mein BA Studium mit 1,4 ab (immer noch die Schlechteste 😡), doch von "wissenschaftlichem Arbeiten" hatte ich erstmal die Schnauze voll.


Ich ging nach Südafrika und es war, als ob eine riesen Last von mir abfiel. Ich liebte die neu gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit. Ich blieb länger als geplant und genoss mein Leben, wenn es auch finanziell immer nur so gerade für den Monat reichte. Mein Vater bot mir an ein Masterstudium zu finanzieren, wenn ich das wollte. Ich war skeptisch, doch als ich "Empowerment Studies" als Option entdeckte, entschied ich mich für den Schritt zurück nach Deutschland.

Doch auch dieser Studiengang brachte mich an den Rand meiner Kräfte. Ich spürte wieder eine gehörige Portion Erwartungsdruck und dachte zwischenzeitlich sogar daran, das Studium zu schmeißen und nach Südafrika zurückzugehen. Ich wollte aber auch nicht einfach aufgeben und "weglaufen" und so entschied ich mich stattdessen für eine Psychotherapie. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen...

Ich bin mit viel Erwartungsdruck aufgewachsen, speziell was Leistung angeht, und es hat mich enorm viel Kraft gekostet diese Erwartungen auch immer brav erfüllen zu wollen. Ich habe versucht mich in eine Form zu pressen, die nicht meine ist. Manchmal denke ich: ich bin ein Elefant in Deutschland, der versucht ein Hund zu sein 😉

Wie geht es euch diesbezüglich? Leidet ihr vielleicht auch unter Erwartungsdruck und fühlt euch davon belastet? Wie geht es euren Partnern? Dürfen sie hier einfach "sein"?

(Verzeiht mir übrigens, dass ich hier so viel über "mich" rede. Dieser Blog wird ungewollt zu meiner eigenen Psychohygiene. Ich hoffe, dass ich in Zukunft auch nochmal informative und nützliche Texte fabriziere 😄)

Alles Liebe,
Mira




Sonntag, 7. Mai 2017

Mein Traum vom Leben in einer Ubuntu Community

Die Ubuntu Philosophie, welche ihren Ursprung in Afrika hat und dort von 1000 verschiedenen Stämmen geteilt wird, besagt, dass wir Menschen dazu gemacht sind in verbundener Harmonie zu leben. Man kann es sich wie ein unsichtbares Netz vorstellen, dass uns alle miteinander verbindet und uns gleichzeitig absolute Freiheit und Einzigartigkeit ermöglicht. Doch nur gemeinsam können wir in unsere volle Größe wachsen, denn geht es einem Teil schlecht, wirkt sich das auch auf alle anderen aus.



Vor einigen Jahren habe ich Desmond Tutu bei einer Lesung in Südafrika live miterlebt und ich bekam eine richtige Gänsehaut, als er über die Bedeutung von Ubuntu sprach. Ich wusste instinktiv, dass ich Ubuntu bereits im Herzen trage und ich diese Philosophie mit den Menschen im Westen teilen möchte. Damals startete ich aus einem Impuls heraus die Facebook Seite unter dem Namen Celebrating Oneness in Diversity, was soviel heißt wie: Lasst uns die Einheit in der Vielfalt feiern!

Vor wenigen Wochen bin ich zufällig auf die Ubuntu Bewegung gestoßen, welche von dem Südafrikaner Michael Tellinger gegründet wurde und mittlerweile Anhänger in vielen Ländern hat (darunter USA, Kanada, Australien, Indien, Deutschland etc.) Für mehr Informationen besucht seine Webseite: Hier die wichtigsten Punkte des Ubuntu Contributionism kurz zusammengefasst:
  • Ist der Plan für eine neue Gesellschaftsstruktur, in der jeder absolut frei und gleich ist.

  • Eine Gesellschaft, die ohne den Begriff des Geldes funktioniert, ohne jegliche Form von Tausch oder Handel oder die Anhaftung an den Wert materieller Dinge.

  • Eine Kultur, in der jedes Individuum ermuntert wird, seiner Passion zu folgen und seine natürlichen Talente oder erworbenen Fähigkeiten zum höheren Wohl aller Menschen der Gemeinschaft einzubringen.

  • Wo jeder frei wählen kann, wo er leben möchte, und niemand gezwungen wird, irgendetwas gegen seinen Willen zu tun.

  • Eine Gesellschaft mit einer neuen Reihe von Gesetzen, basierend auf den Bedürfnissen der Menschen, wo allen alles zur Verfügung gestellt wird, weil sie ihre Arbeitskraft der Liebe zur Verfügung stellen.

  • Eine Welt, in der es keine Jobs, Karrieren, Unternehmen, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit oder Hunger gibt.

  • Eine Gesellschaft, welche die höchsten Ebenen wissenschaftlicher und technologischer Forschung fördert, weil es keine finanziellen Einschränkungen gibt.

  • Eine Gesellschaft, in der Kunst und Kultur gedeihen und den Menschen gestatten, das Leben in vollen Zügen zu erfahren.

  • Eine Gesellschaft, in der das spirituelle Wachstum der Menschen durch eine Explosion von Künsten und Kultur das rapide Anwachsen des Bewusstseins ermöglicht, um die Konzepte der Einheit vollkommen anzunehmen.

  • Ein System, das eine unglaubliche Fülle aller Dinge auf allen Ebenen zur Verfügung stellt, beinahe unvorstellbar für jene, die in der kapitalistischen, konsumgetriebenen Umwelt von heute gefangen sind (Quelle: quer-denken.tv).

Ich fühle mich als Teil der UBUNTU Bewegung, denn in meinem Herzen verkörpere ich diese Vision schon längst. Wie es der Zufall (?) will, habe ich meine Facebook Seite vor wenigen Monaten von "Verliebt in Afrika" auf "Ubuntu Spirit" umbenannt und jetzt sehe ich das Ganze in einem ganz neuen Licht. Es ist als ob sich gerade meine Lebensaufgabe zeigt und vieles nun klarer wird. Mein Traum ist es nach Südafrika zurückzukehren und Teil einer Ubuntu Community zu werden. Ich verspüre den Wunsch die Menschen an unsere tieferliegende Verbundenheit zu erinnern und gleichzeitig die einzigartige Schönheit eines jeden Einzelnen sichtbar werden zu lassen.

Binationale Paare sind meiner Meinung nach ein wunderbares Beispiel dafür: Sie sind auf äußerer Ebene scheinbar so verschieden, doch in ihren Herzen in tiefer Liebe verbunden. Sie haben gelernt ihre Unterschiede zu schätzen und kultivieren dennoch ihre Gemeinsamkeiten. Aber es geht mir nicht nur um binationale Paare, es geht mir um Menschen im Allgemeinen. Egal ob Christ oder Muslim, Schwarz oder Weiß, Mann oder Frau, Jung oder Alt - wir sind in der Erfahrung der Liebe und des Mitgefühls miteinander verbunden.

Das merke ich auch jedes Mal, wenn ich Biodanza tanze, denn auch hier geht es sowohl um die Verbindung der Menschen als auch um das Feiern unserer wunderschönen Diversität. Bei einer liebevollen Umarmung begegnen sich zwei Menschen, jenseits ihrer gesellschaftlichen Kategorien und das ist eine schöne Erfahrung. In meiner Vision tanze ich mit Menschen aus der ganzen Welt und aus allen möglichen Gesellschaftsschichten Biodanza, um gemeinsam die Ubuntu Philosophie zu verkörpern. Eine sehr beglückende Vorstellung...

Ich habe also soeben eine größere Vision für meine bescheidene Aufgabe hier auf Erden erhalten und ich staune über jeden Schritt und wie sich alles fügt. Das wird natürlich auch meine zukünftigen Artikel hier auf dem Blog beeinflussen. Ich würde mich freuen diese Dimension des menschlichen Zusammenseins gemeinsam zu erforschen und uns darüber auszutauschen. Wer weiß, vielleicht leben wir ja alle irgendwann in Ubuntu Communities. Wir sind die 99 Prozent, es liegt in unseren Händen.

In Liebe,
Mira

Sonntag, 30. April 2017

Warum ich mir einen "vorurteilsfreien Raum" für die eigenen Vorurteile wünsche

Ich kann sie nicht leiden und doch bin ich voll mit ihnen: Vorurteile! Ich könnte schreien, wenn Leute sich völlig unreflektiert ein Urteil über andere Leute erlauben, ohne diese wirklich zu kennen. Im Grunde verspüre ich eine tiefe Abneigung gegen jegliche Form von Bewertung, sei es positiv oder negativ. Warum können wir nicht einfach so sein wie wir sind?

Doch Bewertung ist Teil unseres Gesellschaftssystems und keiner kann sich ihr gänzlich entziehen. Glaubt mir, ich habe es seit jeher versucht; habe mir sämtliche kritische Kommentare verkniffen und versucht meine Äußerungen möglichst neutral zu formulieren. Doch alles, was das gebracht hat, ist eine noch stärkere Verurteilung meiner selbst für jedes Mal, wo es mir nicht gelungen ist. Es ist verdammt anstrengend mit der Erwartung "vorurteilsfrei" durchs Leben zu gehen.

Es hat lange Zeit gedauert bis ich mir offen eingestehen konnte, dass ich trotz bester Absichten und mehrerer binationaler Partnerschaften nicht frei von diskriminierenden Vorurteilen bin. Wie soll es auch anders sein? Schließlich sind wir alle in einem rassistischen System aufgewachsen. Wir haben in frühen Jahren die abfälligen Bemerkungen unserer Umwelt als die Wahrheit aufgesogen und später unhinterfragt reproduziert.

Wir wollen uns nicht mit dem Schmerz auseinandersetzen, der mit einem Eingeständnis unserer Mitverantwortung einhergeht. Das ist verständlich, doch nimmt es uns die Möglichkeit zur Heilung. Indem ich mir meiner Vorurteile bewusst werde ohne sie erneut als "schlecht" oder "rassistisch" zu beurteilen, kann ich erkennen, was sich dahinter verbirgt: Ein Urteil im Kopf, jedoch niemals die ganze Wahrheit.

Das meine ich mit einem "vorurteilsfreien Raum" für die eigenen Vorurteile. Wir alle können tiefe Einblicke in unsere menschliche Psyche gewinnen, wenn wir uns auf diesen liebevollen Bewusstmachungsprozess einlassen. Vorurteile sind meiner Meinung nach nicht das wahre Problem. Das wahre Problem sehe ich vielmehr in der Unterdrückung und Verneinung unserer bereits existierenden Urteile. Denn dann füttern wir sie ungewollt und sind vielleicht selbst völlig schockiert, wenn sie sich in verletzenden Worten und Taten Ausdruck verschaffen.

Keiner von uns möchte gerne "rassistisch" sein, doch wem ist damit gedient, wenn wir einfach aufhören laut auszusprechen was wir im Innersten denken und fühlen? Natürlich wäre es wünschenswert, dass wir manche Gedanken nicht hätten, doch solange sie noch da sind, sollten wir den Mut haben dazu zu stehen und sie zum Thema zu machen.

Was wäre möglich, wenn es mehr solcher vorurteilsfreien Räume geben würde? Wo man offen und ehrlich seinen dunkelsten Geheimnissen begegnen kann und statt weiterer Verurteilung Liebe und Annahme erfährt?

Wir können uns nur von jahrhundertelangen Konditionierungen befreien, wenn wir den Mut haben ihnen ins Gesicht zu schauen und sie als kollektive Schöpfungen aus der Vergangenheit entlarven. Durch unsere Annahme können sie sich auflösen und es entsteht Raum für etwas Neues: Die verbindende Kraft der Liebe. Wir erkennen unsere Irrtümer und können uns fortan als Brüder und Schwestern begegnen, die im Grunde alle voneinander lernen können. Das ist zumindest meine Vision 😊

In Liebe,
Mira


Sonntag, 23. April 2017

Wieso ich den leidigen Kampf gegen Stereotype aufgegeben habe und es mir damit so viel besser geht

Auf meinem Blog habe ich ja bereits einiges über Anti-Rassismus und den kritischen Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein geschrieben. Ich halte es für wichtig über diese Themen aufzuklären und Stellung zu beziehen. Heute erzähle ich dir aber, warum ich mittlerweile aufgehört habe gegen Stereotype zu kämpfen und was sich dadurch alles verändert hat.

Kurz zur Definition: Ein Stereotyp ist eine mentale Vereinfachung von komplexen Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Personengruppen. Ein Vorurteil hingegen ist ein Urteil, das ohne vorherige Erfahrung über etwas gefällt wurde. Beide erfüllen für die Menschen die Funktion, Unsicherheit und Bedrohung psychisch abzuwehren. Sie dienen dazu, die Welt überschaubar zu machen, Komplexität zu reduzieren und schaffen so Sicherheit für das eigene Handeln.

Hier sind einige Stereotype über deutsch/afrikanische Paare (Frau weiß/Mann schwarz), denen ich bisher begegnet bin:

  • Der "ausländische" Partner wird keinen guten Job finden und sich stattdessen von seiner weißen Frau aushalten lassen bzw. allenfalls Hilfstätigkeiten ausüben.
  • Die weiße Frau ist naiv und leichtgläubig, wenn sie sich auf eine Beziehung mit einem Schwarzen einlässt. Es ist allgemein bekannt, dass dieser sie irgendwann sitzen lassen wird.
  • Schwarze werden in Deutschland niemals Fuß fassen können und andauernd Rassismus und Ausgrenzung erleben.
  • Der afrikanische Partner wird zu einer Belastung werden und den deutschen Partner "runterziehen". Dieser verbaut sich dadurch seine vielversprechende Zukunft.
Lange Zeit habe ich versucht zu beweisen, dass es sich dabei um rassistische Verallgemeinerungen handelt, die nicht zwangsläufig der Wahrheit entsprechen. Ich fühlte mich kategorisiert und schlichtweg verletzt. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, wie es ist wenn man lediglich aufgrund seiner Hautfarbe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben bekommt.

Trotz unser beider Überzeugung in erster Linie zwei einzigartige Individuen zu sein, die alles schaffen können (wie meiner Ansicht nach jeder Mensch!), schienen sich die Vorurteile zunächst zu bewahrheiten. John konnte die Sprache nicht, hatte keinen Job und mir wurde zuweilen zugeflüstert, ob ich es mir denn wirklich gut überlegt hätte. Das machte mich ehrlich gesagt ziemlich nervös und als Reaktion versuchte ich meiner Umwelt mit aller Kraft zu beweisen, dass wir es dennoch "schaffen" können.

Leider führte das primär dazu, dass wir nach einiger Zeit beide total verkrampft waren und uns hilflos und unglücklich fühlten. So hatten wir uns das Ganze nicht vorgestellt! Wir fingen an Familienfeiern zu meiden, weil uns die Frage "Und was macht John hier?" langsam zum Hals heraus hing. Egal wie sehr wir versuchten uns zu erklären und optimistisch zu wirken, unbewusst fällt man bei den meisten Leuten in ein Raster, aus dem man auch nicht rauskommt. Das höchste der Gefühle ist, dass man vielleicht irgendwann die glorreiche Ausnahme darstellen wird. Das unterschwellige Vorurteil bleibt aber weiterhin bestehen.

Als ich das mal verstanden habe, konnte ich anfangen loszulassen. Na gut, dachte ich, dann sind wir eben in den Augen der Welt naiv und arbeitslos. Das sagt rein gar nichts über uns als Menschen und unsere gemeinsame Zukunft aus. Das einzige was zählt ist, was wir über uns denken. Ich durfte erkennen, dass ich viele Stereotype mit meiner Anti-Haltung nur unnötig befeuert habe. Ich wollte sie bekämpfen, doch nahmen sie dadurch noch mehr Raum in meinem Inneren ein. Es war Zeit zu meiner Vision zurückzukehren! Innerlich wusste ich nämlich, dass wir füreinander bestimmt sind und eine tolle Zukunft vor uns liegt. Ein starker Glaube versetzt bekanntlich Berge... Jedenfalls fiel der Druck von uns ab. Anstatt uns verkrampft und hilflos zu fühlen, wurden wir an unsere innere Stärke erinnert und begannen die Übergangsphase mehr und mehr genießen. Wir unternahmen viele Dinge zusammen und übten uns in Dankbarkeit für das was wir haben!

John's Sprachkurs neigte sich dem Ende zu und wie es der Zufall so wollte, fand er genau in dieser Zeit einen gut bezahlten Job in einer Technologiefirma direkt bei uns um die Ecke. Mittlerweile verdient er um einiges mehr als ich und ist von niemandem mehr abhängig (ich habe ihn übrigens nie "aushalten" müssen, da er damals für die Zeit seines Sprachkurses finanzielle Unterstützung vom Jobcenter erhalten hat). Auch die anderen Stereotype haben sich schlussendlich nicht bewahrheitet. John ist eine unschätzbare Bereicherung für mein Leben und definitiv keine Belastung. Bisher haben wir so viel positive Unterstützung von allen Seiten erfahren und von ständigem Rassismus kann keine Rede sein (Die Deutschen sind eindeutig besser als ihr Ruf 😃).

Ich möchte dir hiermit Mut machen in erster Linie auf dein Innerstes zu hören. Es kennt deine Bestimmung und zeigt dir den Weg so viel zuverlässiger als irgendein Stereotyp. Natürlich kann niemand vorhersagen wie die Zukunft aussehen wird, doch unterschätze nicht die Macht deiner Gedanken. Tu dir also einen Gefallen und verschwende nicht deine gesamte Energie ins "Beweisen wollen". Fokussiere dich stattdessen mit aller Hingabe auf deinen Weg.

Der Erfolg wird dir auf lange Sicht Recht geben und ist letztlich das beste Mittel gegen hartnäckige Stereotype. (Und die, die immer noch an diesen festhalten wollen, sollen das auch tun. Sie werden sich von nichts und niemanden umstimmen lassen, denn dann müssten sie sich ja ihre eigenen ungerechtfertigten Vorurteile schmerzhaft eingestehen).

Alles Liebe,
Mira

Sonntag, 16. April 2017

6 Fragen um herauszufinden, ob jemand wirklich zu dir passt

Die folgenden sechs Fragen sind sehr aufschlussreich, wenn es um die grundlegende Qualität einer Partnerschaft geht. Bis zu einem gewissen Grad können die Antworten sogar etwas über die Zukunftschancen einer Beziehung aussagen. Ich würde vorschlagen du wendest diesen kleinen Test zunächst auf eine verflossene Liebe an. Stell dir beim Beantworten der Fragen vor, dass es der Abend nach eurem zweiten Date ist. Sollte dir dabei auffallen, dass die spontanen Antworten einiges über den weiteren Beziehungsverlauf verrieten, wird es Zeit diesen Test nun auch auf deine bestehende oder sich gerade frisch entwickelnde Beziehung anzuwenden.

Die Fragen (© Tara Springett)
  1. Wie habe ich mich gefühlt (körperlich und emotional), als ich mit meinem Partner zusammen war?
  2. Was hat mein Partner für eine Weltsicht und möchte ich diese in Zukunft gerne teilen?
  3. Sind mir irgendwelche Warnsignale oder negative Charaktereigenschaften an meinem Partner aufgefallen?
  4. Sind unsere wichtigsten Ziele und Werte im Leben kompatibel?
  5. Für Männer: Hat sie meine Gesten wertgeschätzt? Für Frauen: Hat es mir gefallen, was mein Partner für mich getan hat?
  6. Empfinde ich meinen Partner als anziehend?
Die Antworten

Zu Frage 1: Normalerweise achten wir bei einem Date primär  auf das Verhalten und Aussehen unseres Gegenübers. Bei dieser Frage ist es aber wichtig den Fokus umzudrehen und dich zu fragen wie du dich im Beisein deines Dates gefühlt hast. Frag dich insbesondere, ob du angespannt oder eher locker in seiner Nähe warst, ob du dich im Nachhinein gestärkt und selbstbewusst oder eher minderwertig und geschwächt gefühlt hast. Wie sah es mit deinem Gefühl von Attraktivität aus?
Hier ist es wichtig möglichst ehrlich zu sein, denn wir alle verfügen über ein intrinsisches Feedbacksystem, welches uns über unsere Gefühle signalisiert, ob wir aktuell mit dem richtigen Partner zusammen sind oder nicht. Wenn du dich nach euren ersten Treffen glücklicher und erfüllter als vorher gefühlt hast, ist das auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen. Natürlich ist auch eine gewisse Nervosität am Anfang völlig normal, deswegen gib dem Ganzen mindestens 3-4 Dates Zeit und beobachte was sich in dir verstärkt zeigt.

Zu Frage 2: Um diese Frage beantworten zu können, schlage ich eine kleine Übung vor. Stell dir vor du wärst dein Partner. Setz dich so hin wie er und betrachte den Raum/die Welt durch seine Augen. Was kommt dir spontan in den Sinn über die Art und Weise wie dieser sein Leben lebt? Siehst du Probleme und Pessimismus oder Abenteuer und Spaß? Wenn du ein Gefühl für das Weltbild deines Partners entwickelt hast, frage dich, ob du dir vorstellen kannst in Zukunft ebenso deine Umgebung wahrzunehmen. Oft denken wir Frauen, dass wie einem Partner mit argen Problemen "helfen" können, nur um dann zu merken, dass unsere Grundstimmung im Laufe der Zeit ebenfalls absinkt. Ein potentieller Partner ist nur dann der richtige, wenn dich seine Weltsicht anspricht und sie mit deinen tiefsten Werten in Einklang steht.

Zu Frage 3: Wenn dein Partner schon bei den ersten Dates Charakterfehler zeigt, sollten deine Alarmglocken angehen. Normalerweise zeigt man sich zu dieser Zeit möglichst von seiner besten Seite und wenn er hier seine schlechten Angewohnheiten schon nicht verbergen kann, wird es aller Voraussicht auch in Zukunft wenig Hoffnung auf Besserung geben. Das gilt übrigens auch für schlechtes Verhalten im Bezug auf andere Menschen. Behandelt er bspw. die Kellnerin mit Arroganz oder zieht über andere Leute her? Dann sei dir gewiss, dass er dieses Verhalten in Kürze auch dir gegenüber zeigen wird. Hier ist eine Liste mit wichtigen Warnsignalen:
  • Er hält sein Versprechen nicht (z. B. kommt zu spät...)
  • Er lügt (auch wenn er dir damit nur imponieren möchte)
  • Er behandelt dich oder andere auf abschätzige Weise
  • Er benutzt eine aggressive Sprache
  • Er hat sehr starke (Schwarz/Weiß) Ansichten
  • Er macht sich selbst für alles nieder und ist vom Leben enttäuscht
  • Er neigt dazu viel Geld auszugeben und zu prahlen
  • Er hat eine Geschichte mit Fremdgehen
  • Er hat ein Alkohol- oder Drogenproblem
  • Er war bereits gewalttätig in der Vergangenheit

Zu Frage 4: Der wichtigste gemeinsame Wert in einer erfüllten Partnerschaft ist die Liebe und die Bereitschaft sich den Lektionen der Liebe zu verschreiben. Egal wie viel sexuelle Anziehung, Abenteuer oder gemeinsame Interessen zwischen euch bestehen, nichts ist so wichtig wie das Gefühl wahrhaft zu lieben und geliebt zu werden. Hier sind ein paar Zeichen, die darauf hinweisen, dass dein Partner es ernst mit dir meint:
  • Er behandelt dich stets liebevoll und mit Respekt
  • Er zeigt Verständnis für deine Schwächen und achtet deine Bedürfnisse
  • Er ist in der Lage kleine Missverständnisse schnell aus der Welt zu schaffen
  • Er spricht respektvoll über seine Ex-Partner und hegt keinen großen Groll
  • Er ist an einer guten Beziehung mit seiner Familie interessiert
  • Er sagt dir ganz offen, dass er in Liebe wachsen möchte
  • Er arbeitet an seiner persönlichen und spirituellen Entwicklung (z.B. Meditation, Yoga...)
Darüber hinaus ist es wichtig zu klären, ob ihr beide die gleiche Bereitschaft habt euch mit ganzem Herzen auf die Beziehung einzulassen uns ob ihr Kinder haben wollt. Wenn ihr euch in diesen Punkten auf gleicher Wellenlänge befindet, werdet ihr besser in der Lage sein unterschiedliche Interessensgebiete oder Charaktereigenschaften zu tolerieren.

Zu Frage 5: Achte darauf, ob sich das, was dein Partner freiwillig für dich macht, gut anfühlt und du dich unterstützt fühlst. Das bedeutet natürlich nicht, dass du keine Vorschläge machen kannst oder ihm zeigst was dir gefällt. Solltest du aber zu viel selbst initiieren und die Kontrolle an dich reißen wollen, sei dir bewusst, dass dies die romantische Grundstimmung zwischen euch stören wird. Ein Mann fühlt sich im Allgemeinen in der führenden und gebenden Rolle am wohlsten, wohingegen eine Frau sich am liebsten umsorgt und unterstützt fühlt. Auch wenn in einer erfüllenden Partnerschaft beide Partner zwischen diesen zwei Polen hin und herwechseln können, ist es besonders für die anfängliche Romantik förderlich, wenn der Mann primär in seiner männlichen und die Frau primär in ihrer weiblichen Energie zuhause ist.

Zu Frage 6: Hier ist es wichtig, dass du eine gewisse erotische Anziehung für deinen Partner empfindest. Er muss äußerlich nicht dein Traummann sein, doch sollte dich der Gedanke an Sex mit ihm zumindest nicht komplett abturnen 😊. Leide schenken die meisten Menschen diesem Punkt die größte Aufmerksamkeit bei ihrer Partnerwahl und sind dann später enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass ihre Zukunfts- und Wertevorstellungen rein gar nicht zusammen passen.

Das sind sie also, die sechs Test-Fragen, die dir relativ zuverlässig zeigen können, ob ihr als Paar eine glückliche und erfüllende Zukunft vor euch habt. Wenn du dich von einem potentiellen Partner aktuell sehr stark angezogen fühlst, solltest du diese Fragen besonders aufmerksam durchgehen und speziell die negativen Aspekte näher beleuchten. Die Partnerwahl ist kein guter Zeitpunkt sich im positiven Denken zu üben! 😉

Fall irgendeine dieser Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, ist dies ein wichtiges Zeichen, dass es sich hier womöglich nicht um deine wahre Liebe handelt. Fall du aber alle sechs Fragen mit einem warmen Gefühl in deinem Herzen beantworten kannst, darf ich dich beglückwünschen. Euch steht eine wundervolle Zukunft bevor, denn den richtigen Partner zu finden ist mitunter der schwierigste Punkt in einer Beziehung.

Herzlichst,
Mira

Quelle: Tara Springett (2003): Soulmate Relationships. How to find, keep and understand your perfect partner, Piatkus.

Sonntag, 9. April 2017

Verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein


„Rassismus verletzt unsere ganze Gesellschaft, und bei genauem Hinsehen sind in jedem rassistischen System alle Menschen auf unterschiedliche Art betroffen. Weiße Menschen verlieren ihre Würde, wenn sie Rassismus ausüben oder geschehen lassen.“ (Sow 2008)

Das obige Zitat der afrodeutschen Musikerin Noah Sow verweist sowohl auf die Allgegenwärtigkeit rassistischer Gewalt, die eine säuberliche Trennung von ‚Betroffenen’ und ‚Nichtbetroffenen’ verbietet, als auch darauf, dass Rassismus den Verlust von Würde für Weiße bedeutet (nicht nur, wenn sie ihn ausüben, sondern ebenso, wenn sie ihn geschehen lassen).

So genügt es als Weißer mit antirassistischem Anliegen nicht, sich in Solidarität zu üben, nicht aktiv zu diskriminieren oder diejenigen, die das tun, anzugreifen. Selbst wenn wir ein antirassistisches Selbstverständnis haben, so sind wir doch aufgrund unserer gesellschaftlichen Position Teil einer Struktur, die uns zumindest von weißen Räumen nicht ausschließt (u.a. Familienfeiern, Vereine, Kneipen, Cafés und Discos, Parks, Wohngegenden, ganze Städte, Schulen, Universitäten und Betriebe). Weiße haben somit Anteil an einer rassistischen Struktur, welche sie wiederum elementar prägt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir als Weiße von Rassismus profitieren, ob wir dies individuell wollen oder nicht. Um sich mit dem eigenen Weiß-Sein auseinandersetzen zu können, ist es notwendig, darüber zu reflektieren, wie wir selbst sozialisiert wurden und woher unsere weißen Privilegien kommen. Diese Auseinandersetzung ist meist unangenehm, da unsere weißen Privilegien offengelegt werden (darunter auch das Privileg, sich nicht mit der eigenen Position auseinandersetzen zu müssen).

Insbesondere liberalen, demokratisch gesinnten Weißen fällt es schwer, sich mit ihrem Weiß-Sein auseinanderzusetzen, da sie sich dann mit ihrer eigenen dominanten Position und die damit verbundenen Privilegien konfrontiert sehen. Diese Erkenntnis widerspricht dem eigenen Selbstbild und es entsteht ein Konflikt, der abgewehrt wird, indem die Auswirkungen dieser privilegierten Position geleugnet beziehungsweise verharmlost werden (vielleicht habt ihr diese Dynamik bereits bemerkt, als es auf eurem Vorbereitungsseminar für einen Freiwilligendienst im Ausland um genau dieses Thema ging).

Im Folgenden stelle ich euch die häufigsten Abwehrmechanismen im Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein vor (vgl. "Weißsein" und "Deutschsein" von Katharina Walgenbach).

Farbenblindheit
Menschen, die sich als „farbenblind“ bezeichnen, wollen rassistische Wahrnehmungsmuster und die Privilegien von Weiß-Sein unterwandern, indem sie sich weigern, Menschen über ihre Hautfarbe wahrzunehmen. Sie verstehen ‚Rasse‘ als etwas, das nur negativ, aber nicht positiv diskriminiert, so, als wäre es nur das ewige Reden über ‚Rasse‘, das Rassismus am Leben erhält. Die Vermeidung, sich wirklich radikal mit der eigenen „Hautfarbe“ und allem, was sie beinhaltet auseinanderzusetzen bedeutet jedoch lediglich sich nicht in historischen Zusammenhängen verorten zu müssen, in denen Weiße als Unterdrücker aufgetreten sind. Insofern ist das Gleichheitspostulat hier weniger als ein Entgegenkommen gegenüber Schwarzen, sondern vielmehr in seiner Schutzfunktion für  Weiße zu sehen, die so ihre eigenen negativen Vorstellungen und Gefühle abwehren und das „positive Selbst“ zu schützen versuchen. Für Schwarze Menschen bedeutet eine farbenblinde Gesellschaft daher keine Verbesserung. Ganz im Gegenteil, denn wenn alle Menschen als gleich betrachtet werden, alle vom gleichen Punkt aus starten, bedeutet das, dass niemand speziell gefördert werden muss. Ungleicher Zugang zu Ressourcen wird dabei außer Acht gelassen. Es werden Standardstrategien entwickelt, wobei es in einer weißen Mehrheitsgesellschaft, für Weiße unsichtbar bleibt, dass diese Standards weiße Standards sind, die eben nicht für alle passen. Schwarze Menschen werden auf diese Weise erneut benachteiligt´.

Bagatellisierung
Weiße erklären sich stundenlang, wenn sie Rassismus vorgeworfen bekommen. „Ich habe das nicht so gemeint“; „Du hast mich da falsch verstanden“; „Ich war gerade total nervös und mir ist das nur so rausgerutscht“; Sie reduzieren rassistische Situationen auf einen individuellen Ausrutscher anstatt anzuerkennen, dass sie durch die westliche Kultur stark von rassistischen Denkweisen und Strukturen geprägt sind. Weiße ignorieren gerne, dass Rasse etwas mit Macht zu tun hat. Die Reaktion selbst wird in den Mittelpunkt gestellt und als zu emotional, subjektiv oder einfach nicht gerechtfertigt bezeichnet.  Dadurch verkommt Rassismus zu einer Art kulturellem Missverständnis. Auch (bewusst) das Thema zu wechseln, wenn die Sprache auf Rassismus oder die eigene privilegierte Position fällt, ist eine Form, Rassismus zu bagatellisieren.

Vereinnahmung
Die Diskriminierung aufgrund eines rassischen Konstrukts wird mit Diskriminierungen aus anderen Bereichen gleichgesetzt, zum Beispiel mit sexistischer Diskriminierung. Weiße trivialisieren und reduzieren Rassismus, indem sie ihn mit anderen Unterdrückungsmechanismen vergleichen. „Wir sind doch alle im Kapitalismus unterdrückt.“ Weiße messen Rassismus demnach an der eigenen Wahrnehmung. Wenn sie sich sicher fühlen, gibt es auch keinen Rassismus. „Ich fand das aber gerade nicht so schlimm, dass dies oder jenes gesagt wurde.“ Weiße behalten sich vor zu entscheiden, was rassistisch ist. Das weiße Subjekt konstruiert sich dabei als bestimmende Instanz, dessen Absicht und Einschätzung mehr zählt als jede andere Wahrnehmung.

Zeitliche und räumliche Verortung
„Rassismus gibt es in der rechtsextremen Szene aber nicht hier!“ Rassismus wird in der Öffentlichkeit bevorzugt als Praxis extremistischer Gruppierungen benannt, nicht aber als alltägliche Diskriminierungsform und als Weltbild, das in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Eigene Nähen zu rassistischen Vorstellungen können dadurch ignoriert werden. Rassismus tritt stets als Problem von anderen auf, die nicht ‚wir’ sind. Im deutschen Kontext fällt es besonders schwer anzuerkennen, dass es Rassismus in dieser Gesellschaft gibt, da der Rassismus-Begriff auf die nationalsozialistische Judenverfolgung fixiert worden ist und man von sich selbst glauben wollte, alles damit Zusammenhängende hinter sich gelassen zu haben.

Das System weißer Dominanz zu Fall bringen
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenem Weiß-Sein schließt jedoch immer die Beschäftigung mit den eigenen Abwehrmechanismen ein. Das System weißer Dominanz kann schließlich nur von innen heraus zerstört werden. Das heißt, wir selbst müssen ein ausreichendes Maß an Sensibilität dafür entwickeln, unsere eigene Position der strukturellen Macht wahrzunehmen, zu reflektieren und dafür Verantwortung zu übernehmen. Eine solche kritische Selbstreflexion ist ein langer Weg und schlägt sich zunächst meist in Verhaltensunsicherheiten sowie Scham- und Schuldgefühlen im Umgang mit Schwarzen nieder. Die Folgen sind entweder, Begegnungen mit Schwarzen gänzlich auszuweichen oder aber die herabsetzenden Klischees und Gefühle zu leugnen und sich überfreundlich im Beisein von Schwarzen Mitmenschen zu verhalten. Nach einer weiteren Phase der Scham über die eigenen Rassismen, kann jedoch zu einer Einsicht in die eigenen Privilegien und zu einer sensibilisierten Wahrnehmung von Rassismus gelangt werden. Auf der Basis dieses reflektierten Weiß-Seins können dann neue Wertvorstellungen und Handlungsalternativen entwickelt werden, die einhergehen mit einer veränderten, kongruenten Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die oben beschriebenen inneren Spannungen aufgrund der fortwährenden Angstabwehr würden wegfallen. Die Gemeinsamkeiten, die zwischen Menschen verschiedener Herkunft bestehen, würden wahrnehmbar und erfahrbar. Die Unterschiede können gesehen werden, ohne dass sie eine Bedrohung darstellen und hierarchisiert werden. Verschiedenheit wird vielmehr als Herausforderung und Bereicherung erlebt. Schließlich können interkulturelle Beziehungsstrukturen geschaffen werden, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse nicht länger fortführen, sondern den Gedanken der Gleichberechtigung repräsentieren.

Die afrodeutsche Dichterin May Ayim hat einmal gesagt: „Die Wut der Schwarzen Frauen sollte auch die Empörung von weißen Frauen sein, denn wir alle werden mit Lügen, Halbwahrheiten und Mythen verdummt und manipuliert“ Mit diesem Zitat möchte ich betonen, dass eine rassistische Welt für niemanden die beste aller Welten sein kann – auch nicht für uns als profitierende Weiße.

Herzlichst,
Mira

(PS: Der Text ist ein abgewandelter Ausschnitt aus meiner Hausarbeit zu dem Thema. Bei Interesse schicke ich euch den Originaltext gerne zu)



Sonntag, 2. April 2017

Den großen Schritt wagen - was mir damals geholfen hat

Auf dem Weg in eine erfüllte Beziehung gibt es endlose Schritte, die nötig sind, um gemeinsam wachsen zu können. Angefangen mit dem Schritt sich überhaupt erst auf die Beziehung einzulassen; dann der mitunter riesen Schritt für den Partner in ein anderes Land zu ziehen, sich eine erste gemeinsame Wohnung zu suchen etc.
All diese Schritte kosten viel Mut und Nerven, doch der für mich größte Schritt war eindeutig die Heirat und die Entscheidung gemeinsam in Deutsch- land zu wohnen. Zum einen war ich generell kein großer Fan von Heiraten und zum anderen war auch Deutschland nie das Land, wo ich meine Zukunft sah. Und noch etwas bereitete mir Kopfschmerzen: Die vermeintlichen Reaktionen meiner Umwelt auf unsere Entscheidung. Ich wusste, dass manche Leute der festen Überzeugung waren, dass wir uns nach kurzer Zeit wieder scheiden lassen würden, weil John schließlich ein Betrüger ist, der mich nur ausnutzt, um an Geld und Papiere zu kommen.

Diese Vorstellung löste nicht gerade Begeisterung in mir aus, doch was sollte ich sagen? Hatte ich eine Garantie, die sie vom Gegenteil überzeugen würde? Nicht mal der Umstand, dass wir bis dato 2,5 Jahre zusammen waren und schon gemeinsam gewohnt hatten, konnte mich vor dessen vorschnellen Urteil bewahren. Nein, allein die Zeit würde den wahren Kern unserer Liebe offenbaren und auch ich war äußerst gespannt wie unsere Reise weitergehen würde...

Es gab also einige Gründe, die gegen eine Hochzeit sprachen. Was hat mir also in Momenten des Zweifels geholfen mich dennoch dafür zu entscheiden?

Kommunikation mit meinem Herzen

Ich habe mit der Zeit (vorwiegend auch von John) gelernt meinen Fokus nach Innen zu richten und mich in diesen Momenten stets zu fragen: Mira, was willst DU? Was ist der nächste Schritt, der für DICH jetzt stimmig ist? Welche Entscheidung löst ein Wohlgefühl in dir aus?

Diese Kommunikation mit meinem Herzen hat mich wieder zentriert und mit dem in Kontakt gebracht, was ich tief in meinem Inneren schon die ganze Zeit gewusst hatte: Ich will mit diesem Mann mein Leben verbringen, koste es was es wolle! Ich spürte eine so tiefe Liebe.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass es noch eines Zwischenschritts bedarf, um schlussendlich für den "großen Schritt" bereit zu sein. Wir haben uns daher erstmal für ein stinknormales Touristenvisum entschieden, damit wir eine mögliche Zukunft in Deutschland gemeinsam erfühlen konnten. Das hat sich stimmig angefühlt und etwas in mir konnte sich entspannen.

Herz und Verstand als gleichberechtigte Partner

Ich würde mich als Mensch mit hohen Idealen bezeichnen, der aber gleichzeitig mit beiden Beinen auf der Erde steht. Ich brauche den Kontakt zu meinem Herzen und folge auch gerne meiner Intuition. Dennoch habe ich einen sehr starken Verstand, der ebenfalls hinter meiner Entscheidung stehen muss. Damals, als ich mit Lamin an einem ähnlichen Punkt stand, hat mein Verstand gegen diesen Schritt rebelliert. Was war also dieses Mal anders?

Mir war es primär wichtig, dass mein Partner nicht länger als nötig von mir abhängig ist. Dafür bin ich wahrscheinlich zu sehr Wassermann ;-) Nein, im Ernst. Ich bin ein absoluter Fan von einer gleichberechtigen Partnerschaft und das bedeutet, dass mein Partner in Deutschland ebenfalls eine Chance auf ein eigenständiges Leben hat.

Diese Chance sah ich bei John deutlich ausgeprägter als bei Lamin. John hatte ein abgeschlossenes Studium als 3D Animator, welches ihn befähigt in Deutschland eine entsprechende Arbeitsstelle zu finden. Zum anderen war John viel offener anderen Kulturen gegenüber als Lamin. Als ich ihn kennengelernt habe, hatte er bereits alleine gewohnt und bewegte sich in einem sehr internationalen Umfeld. Ich war also zuversichtlich, dass er sich auch in Deutschland zurechtfinden würde.

Im richten Moment aktiv werden

All diese Punkte haben mir damals das Gefühl gegeben, dass unsere Beziehung nicht allein auf Luftschlössern basiert, sondern eine reale Grundlage besitzt, auf die wir aufbauen können. Als die ersten Wochen nach Johns Ankunft ins Land gezogen waren und sich die Dinge sehr positiv entwickelt hatten, wusste ich das nun der Zeitpunkt gekommen war für den nächsten Schritt. Zu unserer Überraschung war es dann sogar möglich auf seinem Touristenvisum zu heiraten ohne im Anschluss erstmal wieder auszureisen zu müssen. Wenn das nicht eine glückliche Fügung war...


Jetzt, fast zwei Jahre später, bin ich heilfroh diesen "großen Schritt" gewagt zu haben. John hat sich prima eingelebt und wir führen eine gleichberechtigte, erfüllende Partnerschaft.

Wie geht es dir diesbezüglich? Stehst du kurz vor einem solchen Schritt oder hast du ihn bereits hinter dir? Was sind deine aktuellen Bedenken bzw. was hat dir damals geholfen? Ich freue mich auf sämtliche Kommentare.

Herzlichst,
Mira

Sonntag, 26. März 2017

Die Bedeutung des Weiß-Seins und wie sehr wir im Alltag davon profitieren (ob wir wollen oder nicht)




In der Kritischen Weißseinsforschung (engl: critical whiteness studies), stehen die Begriffe Schwarz und Weiß nicht etwa für Hautfarben, sondern werden als soziale Konstruktionen verstanden. Sie kennzeichnen verschiedene Perspektiven auf die Gesellschaft, verschiedene Orte oder Positionen, von denen aus gesprochen wird.



Schwarz & Weiß als Analysekategorien
Die Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche bezeichnet Schwarz als eine „Identität der Unterdrückungserfahrungen, die alle Gruppen von people of color einschließt“. Somit steht die Bezeichnung Schwarz für alle Menschen, die aufgrund körperlicher und kultureller Fremdzuschreibungen der weißen Dominanzgesellschaft als „anders“ und „unzugehörig“ definiert werden und dadurch Opfer oder Projektionsfläche von Rassismen sind.

Als Weiß werden Menschen bezeichnet, die nicht Opfer von Rassismen werden. Dennoch ist Weiß-Sein nicht als absolute Strukturkategorie zu sehen, da ein weißer deutscher Leiter eines Großunternehmens eine andere Machtposition inne wohnen hat als eine weiße deutsche Studentin. Diese Position unterscheidet sich wiederum von der einer weißen ukrainischen Obstpflückerin in Spanien. Rassifizierte Machtstrukturen korrelieren hier mit anderen Kategorien wie Nationalität, Klasse, formaler Bildungsgrad, Gender oder sexueller Orientierung.

Die Verwendung von binären Kategorien wie Schwarz und Weiß birgt aber immer auch die Gefahr, diese Kategorien weiter festzuschreiben und ihnen eine Essenz zu geben, obwohl sie eigentlich Konstrukte sind und nicht unnötig verfestigt werden sollten.

Trotzdem müssen Machtstrukturen beschreibbar sein, da die Nichtbenennung sie nur noch mächtiger macht. Von daher ist die Fokussierung auf der Differenz zwischen Weiß und Schwarz aus analytischer Sicht durchaus gerechtfertigt: Nicht als festschreibender Vorgang, sondern als strategische Markierung, um der weißen Position die Privilegien der Universalität und Unsichtbarkeit nehmen zu können.


Weiß-Sein als unsichtbare Norm
Eine weiße Position zeichnet sich speziell dadurch aus, dass sie  normalerweise keine explizit weiße Position ist. Weiße Menschen sind es nicht gewohnt, sich selbst als weiß zu bezeichnen. Ihre Hautfarbe scheint keine Rolle zu spielen, denn sie ist die unsichtbare Norm, die nicht markiert ist. So nennen weiße Deutsche bei ihrer Beschreibung gerne Dinge wie Beruf, Alter, Geschlecht, religiöse Orientierung und Familienstand. Weiß-Sein ist in der Regel als Selbstkonzept nicht bewusst vorhanden.

Die Schaffung eines Menschenbegriffs, der die weiße Hautfarbe bereits beinhaltet, hat zu einer nur schwer verrückbaren Festlegung aller Nicht-Weißen auf eine „Andersartigkeit“ und „Abweichung“ geführt. In den Worten der Musikerin Noah Sow: „Weiße Menschen sind Menschen, während schwarze Menschen schwarze Menschen sind“ 


Weiß-Sein als System der Privilegierung
Bei der Diskussion um Weiß-Sein passiert es daher leicht, dass der Blick immer wieder auf das Andere, auf das Schwarz-Sein, gelenkt wird. Weißen fällt es im Normalfall nicht schwer zuzugeben, dass Schwarze diskriminiert werden. Die weiße Privilegierung wird hingegen sehr viel seltener thematisiert. In der klaren Benennung des eigenen Weiß-Sein liegt jedoch ein große Vorteil gegenüber dem Begriff Rassismus, denn über "Rasse" und Klasse zu sprechen heißt primär über Schwarze und Arme zu sprechen. Dagegen thematisiert Weiß-Sein stärker die bisher unmaskiert gebliebene Machtposition und verdeutlicht damit, dass letztlich alle Menschen von Rassismus betroffen sind.

Im Alltag bedeutet Weiß-Sein meist bestimmte Erfahrungen nicht zu machen. Es bedeutet zum Beispiel, nicht als exotisch wahrgenommen zu werden, nicht gefragt zu werden, woher man kommt und wann man zurück geht. Da man bestimmte Erfahrungen nicht macht, genießt man unverdiente Vorteile, in anderen Worten: Privilegien. Hier sind einige solcher Privilegien:

o   Weiße sind überall in der Öffentlichkeit und in den Medien präsent. Ihre Repräsentation ist dabei stets individuell, vielfältig und heterogen. Sie werden nicht als Weiße stereotypisiert. Sie haben Namen, Berufe, politische Orientierungen. Man findet sie an den verschiedensten Orten der Welt, und sie werden als handlungsmächtig angesehen.

o   Wenn Weiße ihre berufliche Zukunft planen oder daran denken, sich sozial oder politisch zu betätigen, müssen sie sich keine Gedanken oder gar Sorgen machen, ob sie auf Grund ihrer Hautfarbe akzeptiert werden. Die eigene Kompetenz wird nicht auf Grund der Hautfarbe in Frage gestellt, und wenn es um Themen wie Zivilisation und Fortschritt geht, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um die Angelegenheit weißer Leute handelt. Weiße genießen also das Privileg dazuzugehören, es werden „ihre Themen“ verhandelt und in Konkurrenzsituationen werden sie in aller Regel vorgezogen und zwar so, dass sie dies nicht in Beziehung zu ihrem Weiß-Sein setzen müssen.

o   Weiße genießen in Deutschland den Schutz der Anonymität. Die Aufmerksamkeit ist nicht ständig auf sie gerichtet. Weil sie das Recht haben dazuzugehören, ist ihre Zugehörigkeit selbstverständlich.

o   Weiße besitzen die Möglichkeit eher selbst zu bestimmen, wie weit sie sich anderen gegenüber öffnen wollen. Schwarzen hingegen passiert es häufig, dass sie von völlig unbekannten Personen über ihre Herkunft ausgefragt werden. Demgegenüber haben Weiße viel eher die Kontrolle darüber, wann sie über persönliche Themen sprechen wollen.

o   Weiße haben die Wahl, sich mit Rassismus auseinander zu setzen oder auch nicht. Wenn sie keine Lust mehr haben, wenn es ihnen beschwerlich oder unangenehm wird, können sie ihr Interesse auf etwas anderes richten. Schwarzen Menschen ist dies nicht möglich. Sie müssen sich ihr Leben lang mit Rassismus auseinander setzen.

o   Weiße haben das Privileg allem einen Namen geben und die Welt einordnen zu dürfen. Wenn nicht sie, sondern jemand anders etwas entdeckt oder benannt hat, wird es so lange nicht akzeptiert, bis ein Weißer dies bestätigen kann.

Das sind wie gesagt nur ein paar Beispiele und auch sicherlich nicht in Stein gemeißelt. Mich interessiert wie du zu dem Thema stehst und was für Erfahrungen du gemacht hast. Schreib mir also gerne einen Kommentar.


Herzlichst,

Mira


Hier noch ein paar Literaturvorschläge zum Thema:

-  Sow, Noah (2008): Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus.

Susan Arndt (2005.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland.

-  Maureen Maisha Eggers u.a. (2005): Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Mythen, Masken und Subjekte.

-  Wachendorfer, Ursula (2006): Weiss-Sein in Deutschland. Zur Unsichtbarkeit einer herrschenden Normalität.

-  Wollrad, Eske (2005): Weißsein im Widerspruch. Feministische Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion.