Sonntag, 30. April 2017

Warum ich mir einen "vorurteilsfreien Raum" für die eigenen Vorurteile wünsche

Ich kann sie nicht leiden und doch bin ich voll mit ihnen: Vorurteile! Ich könnte schreien, wenn Leute sich völlig unreflektiert ein Urteil über andere Leute erlauben, ohne diese wirklich zu kennen. Im Grunde verspüre ich eine tiefe Abneigung gegen jegliche Form von Bewertung, sei es positiv oder negativ. Warum können wir nicht einfach so sein wie wir sind?

Doch Bewertung ist Teil unseres Gesellschaftssystems und keiner kann sich ihr gänzlich entziehen. Glaubt mir, ich habe es seit jeher versucht; habe mir sämtliche kritische Kommentare verkniffen und versucht meine Äußerungen möglichst neutral zu formulieren. Doch alles, was das gebracht hat, ist eine noch stärkere Verurteilung meiner selbst für jedes Mal, wo es mir nicht gelungen ist. Es ist verdammt anstrengend mit der Erwartung "vorurteilsfrei" durchs Leben zu gehen.

Es hat lange Zeit gedauert bis ich mir offen eingestehen konnte, dass ich trotz bester Absichten und mehrerer binationaler Partnerschaften nicht frei von diskriminierenden Vorurteilen bin. Wie soll es auch anders sein? Schließlich sind wir alle in einem rassistischen System aufgewachsen. Wir haben in frühen Jahren die abfälligen Bemerkungen unserer Umwelt als die Wahrheit aufgesogen und später unhinterfragt reproduziert.

Wir wollen uns nicht mit dem Schmerz auseinandersetzen, der mit einem Eingeständnis unserer Mitverantwortung einhergeht. Das ist verständlich, doch nimmt es uns die Möglichkeit zur Heilung. Indem ich mir meiner Vorurteile bewusst werde ohne sie erneut als "schlecht" oder "rassistisch" zu beurteilen, kann ich erkennen, was sich dahinter verbirgt: Ein Urteil im Kopf, jedoch niemals die ganze Wahrheit.

Das meine ich mit einem "vorurteilsfreien Raum" für die eigenen Vorurteile. Wir alle können tiefe Einblicke in unsere menschliche Psyche gewinnen, wenn wir uns auf diesen liebevollen Bewusstmachungsprozess einlassen. Vorurteile sind meiner Meinung nach nicht das wahre Problem. Das wahre Problem sehe ich vielmehr in der Unterdrückung und Verneinung unserer bereits existierenden Urteile. Denn dann füttern wir sie ungewollt und sind vielleicht selbst völlig schockiert, wenn sie sich in verletzenden Worten und Taten Ausdruck verschaffen.

Keiner von uns möchte gerne "rassistisch" sein, doch wem ist damit gedient, wenn wir einfach aufhören laut auszusprechen was wir im Innersten denken und fühlen? Natürlich wäre es wünschenswert, dass wir manche Gedanken nicht hätten, doch solange sie noch da sind, sollten wir den Mut haben dazu zu stehen und sie zum Thema zu machen.

Was wäre möglich, wenn es mehr solcher vorurteilsfreien Räume geben würde? Wo man offen und ehrlich seinen dunkelsten Geheimnissen begegnen kann und statt weiterer Verurteilung Liebe und Annahme erfährt?

Wir können uns nur von jahrhundertelangen Konditionierungen befreien, wenn wir den Mut haben ihnen ins Gesicht zu schauen und sie als kollektive Schöpfungen aus der Vergangenheit entlarven. Durch unsere Annahme können sie sich auflösen und es entsteht Raum für etwas Neues: Die verbindende Kraft der Liebe. Wir erkennen unsere Irrtümer und können uns fortan als Brüder und Schwestern begegnen, die im Grunde alle voneinander lernen können. Das ist zumindest meine Vision 😊

In Liebe,
Mira


Sonntag, 23. April 2017

Wieso ich den leidigen Kampf gegen Stereotype aufgegeben habe und es mir damit so viel besser geht

Auf meinem Blog habe ich ja bereits einiges über Anti-Rassismus und den kritischen Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein geschrieben. Ich halte es für wichtig über diese Themen aufzuklären und Stellung zu beziehen. Heute erzähle ich dir aber, warum ich mittlerweile aufgehört habe gegen Stereotype zu kämpfen und was sich dadurch alles verändert hat.

Kurz zur Definition: Ein Stereotyp ist eine mentale Vereinfachung von komplexen Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Personengruppen. Ein Vorurteil hingegen ist ein Urteil, das ohne vorherige Erfahrung über etwas gefällt wurde. Beide erfüllen für die Menschen die Funktion, Unsicherheit und Bedrohung psychisch abzuwehren. Sie dienen dazu, die Welt überschaubar zu machen, Komplexität zu reduzieren und schaffen so Sicherheit für das eigene Handeln.

Hier sind einige Stereotype über deutsch/afrikanische Paare (Frau weiß/Mann schwarz), denen ich bisher begegnet bin:

  • Der "ausländische" Partner wird keinen guten Job finden und sich stattdessen von seiner weißen Frau aushalten lassen bzw. allenfalls Hilfstätigkeiten ausüben.
  • Die weiße Frau ist naiv und leichtgläubig, wenn sie sich auf eine Beziehung mit einem Schwarzen einlässt. Es ist allgemein bekannt, dass dieser sie irgendwann sitzen lassen wird.
  • Schwarze werden in Deutschland niemals Fuß fassen können und andauernd Rassismus und Ausgrenzung erleben.
  • Der afrikanische Partner wird zu einer Belastung werden und den deutschen Partner "runterziehen". Dieser verbaut sich dadurch seine vielversprechende Zukunft.
Lange Zeit habe ich versucht zu beweisen, dass es sich dabei um rassistische Verallgemeinerungen handelt, die nicht zwangsläufig der Wahrheit entsprechen. Ich fühlte mich kategorisiert und schlichtweg verletzt. Zum ersten Mal konnte ich nachvollziehen, wie es ist wenn man lediglich aufgrund seiner Hautfarbe bestimmte Eigenschaften zugeschrieben bekommt.

Trotz unser beider Überzeugung in erster Linie zwei einzigartige Individuen zu sein, die alles schaffen können (wie meiner Ansicht nach jeder Mensch!), schienen sich die Vorurteile zunächst zu bewahrheiten. John konnte die Sprache nicht, hatte keinen Job und mir wurde zuweilen zugeflüstert, ob ich es mir denn wirklich gut überlegt hätte. Das machte mich ehrlich gesagt ziemlich nervös und als Reaktion versuchte ich meiner Umwelt mit aller Kraft zu beweisen, dass wir es dennoch "schaffen" können.

Leider führte das primär dazu, dass wir nach einiger Zeit beide total verkrampft waren und uns hilflos und unglücklich fühlten. So hatten wir uns das Ganze nicht vorgestellt! Wir fingen an Familienfeiern zu meiden, weil uns die Frage "Und was macht John hier?" langsam zum Hals heraus hing. Egal wie sehr wir versuchten uns zu erklären und optimistisch zu wirken, unbewusst fällt man bei den meisten Leuten in ein Raster, aus dem man auch nicht rauskommt. Das höchste der Gefühle ist, dass man vielleicht irgendwann die glorreiche Ausnahme darstellen wird. Das unterschwellige Vorurteil bleibt aber weiterhin bestehen.

Als ich das mal verstanden habe, konnte ich anfangen loszulassen. Na gut, dachte ich, dann sind wir eben in den Augen der Welt naiv und arbeitslos. Das sagt rein gar nichts über uns als Menschen und unsere gemeinsame Zukunft aus. Das einzige was zählt ist, was wir über uns denken. Ich durfte erkennen, dass ich viele Stereotype mit meiner Anti-Haltung nur unnötig befeuert habe. Ich wollte sie bekämpfen, doch nahmen sie dadurch noch mehr Raum in meinem Inneren ein. Es war Zeit zu meiner Vision zurückzukehren! Innerlich wusste ich nämlich, dass wir füreinander bestimmt sind und eine tolle Zukunft vor uns liegt. Ein starker Glaube versetzt bekanntlich Berge... Jedenfalls fiel der Druck von uns ab. Anstatt uns verkrampft und hilflos zu fühlen, wurden wir an unsere innere Stärke erinnert und begannen die Übergangsphase mehr und mehr genießen. Wir unternahmen viele Dinge zusammen und übten uns in Dankbarkeit für das was wir haben!

John's Sprachkurs neigte sich dem Ende zu und wie es der Zufall so wollte, fand er genau in dieser Zeit einen gut bezahlten Job in einer Technologiefirma direkt bei uns um die Ecke. Mittlerweile verdient er um einiges mehr als ich und ist von niemandem mehr abhängig (ich habe ihn übrigens nie "aushalten" müssen, da er damals für die Zeit seines Sprachkurses finanzielle Unterstützung vom Jobcenter erhalten hat). Auch die anderen Stereotype haben sich schlussendlich nicht bewahrheitet. John ist eine unschätzbare Bereicherung für mein Leben und definitiv keine Belastung. Bisher haben wir so viel positive Unterstützung von allen Seiten erfahren und von ständigem Rassismus kann keine Rede sein (Die Deutschen sind eindeutig besser als ihr Ruf 😃).

Ich möchte dir hiermit Mut machen in erster Linie auf dein Innerstes zu hören. Es kennt deine Bestimmung und zeigt dir den Weg so viel zuverlässiger als irgendein Stereotyp. Natürlich kann niemand vorhersagen wie die Zukunft aussehen wird, doch unterschätze nicht die Macht deiner Gedanken. Tu dir also einen Gefallen und verschwende nicht deine gesamte Energie ins "Beweisen wollen". Fokussiere dich stattdessen mit aller Hingabe auf deinen Weg.

Der Erfolg wird dir auf lange Sicht Recht geben und ist letztlich das beste Mittel gegen hartnäckige Stereotype. (Und die, die immer noch an diesen festhalten wollen, sollen das auch tun. Sie werden sich von nichts und niemanden umstimmen lassen, denn dann müssten sie sich ja ihre eigenen ungerechtfertigten Vorurteile schmerzhaft eingestehen).

Alles Liebe,
Mira

Sonntag, 16. April 2017

6 Fragen um herauszufinden, ob jemand wirklich zu dir passt

Die folgenden sechs Fragen sind sehr aufschlussreich, wenn es um die grundlegende Qualität einer Partnerschaft geht. Bis zu einem gewissen Grad können die Antworten sogar etwas über die Zukunftschancen einer Beziehung aussagen. Ich würde vorschlagen du wendest diesen kleinen Test zunächst auf eine verflossene Liebe an. Stell dir beim Beantworten der Fragen vor, dass es der Abend nach eurem zweiten Date ist. Sollte dir dabei auffallen, dass die spontanen Antworten einiges über den weiteren Beziehungsverlauf verrieten, wird es Zeit diesen Test nun auch auf deine bestehende oder sich gerade frisch entwickelnde Beziehung anzuwenden.

Die Fragen (© Tara Springett)
  1. Wie habe ich mich gefühlt (körperlich und emotional), als ich mit meinem Partner zusammen war?
  2. Was hat mein Partner für eine Weltsicht und möchte ich diese in Zukunft gerne teilen?
  3. Sind mir irgendwelche Warnsignale oder negative Charaktereigenschaften an meinem Partner aufgefallen?
  4. Sind unsere wichtigsten Ziele und Werte im Leben kompatibel?
  5. Für Männer: Hat sie meine Gesten wertgeschätzt? Für Frauen: Hat es mir gefallen, was mein Partner für mich getan hat?
  6. Empfinde ich meinen Partner als anziehend?
Die Antworten

Zu Frage 1: Normalerweise achten wir bei einem Date primär  auf das Verhalten und Aussehen unseres Gegenübers. Bei dieser Frage ist es aber wichtig den Fokus umzudrehen und dich zu fragen wie du dich im Beisein deines Dates gefühlt hast. Frag dich insbesondere, ob du angespannt oder eher locker in seiner Nähe warst, ob du dich im Nachhinein gestärkt und selbstbewusst oder eher minderwertig und geschwächt gefühlt hast. Wie sah es mit deinem Gefühl von Attraktivität aus?
Hier ist es wichtig möglichst ehrlich zu sein, denn wir alle verfügen über ein intrinsisches Feedbacksystem, welches uns über unsere Gefühle signalisiert, ob wir aktuell mit dem richtigen Partner zusammen sind oder nicht. Wenn du dich nach euren ersten Treffen glücklicher und erfüllter als vorher gefühlt hast, ist das auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen. Natürlich ist auch eine gewisse Nervosität am Anfang völlig normal, deswegen gib dem Ganzen mindestens 3-4 Dates Zeit und beobachte was sich in dir verstärkt zeigt.

Zu Frage 2: Um diese Frage beantworten zu können, schlage ich eine kleine Übung vor. Stell dir vor du wärst dein Partner. Setz dich so hin wie er und betrachte den Raum/die Welt durch seine Augen. Was kommt dir spontan in den Sinn über die Art und Weise wie dieser sein Leben lebt? Siehst du Probleme und Pessimismus oder Abenteuer und Spaß? Wenn du ein Gefühl für das Weltbild deines Partners entwickelt hast, frage dich, ob du dir vorstellen kannst in Zukunft ebenso deine Umgebung wahrzunehmen. Oft denken wir Frauen, dass wie einem Partner mit argen Problemen "helfen" können, nur um dann zu merken, dass unsere Grundstimmung im Laufe der Zeit ebenfalls absinkt. Ein potentieller Partner ist nur dann der richtige, wenn dich seine Weltsicht anspricht und sie mit deinen tiefsten Werten in Einklang steht.

Zu Frage 3: Wenn dein Partner schon bei den ersten Dates Charakterfehler zeigt, sollten deine Alarmglocken angehen. Normalerweise zeigt man sich zu dieser Zeit möglichst von seiner besten Seite und wenn er hier seine schlechten Angewohnheiten schon nicht verbergen kann, wird es aller Voraussicht auch in Zukunft wenig Hoffnung auf Besserung geben. Das gilt übrigens auch für schlechtes Verhalten im Bezug auf andere Menschen. Behandelt er bspw. die Kellnerin mit Arroganz oder zieht über andere Leute her? Dann sei dir gewiss, dass er dieses Verhalten in Kürze auch dir gegenüber zeigen wird. Hier ist eine Liste mit wichtigen Warnsignalen:
  • Er hält sein Versprechen nicht (z. B. kommt zu spät...)
  • Er lügt (auch wenn er dir damit nur imponieren möchte)
  • Er behandelt dich oder andere auf abschätzige Weise
  • Er benutzt eine aggressive Sprache
  • Er hat sehr starke (Schwarz/Weiß) Ansichten
  • Er macht sich selbst für alles nieder und ist vom Leben enttäuscht
  • Er neigt dazu viel Geld auszugeben und zu prahlen
  • Er hat eine Geschichte mit Fremdgehen
  • Er hat ein Alkohol- oder Drogenproblem
  • Er war bereits gewalttätig in der Vergangenheit

Zu Frage 4: Der wichtigste gemeinsame Wert in einer erfüllten Partnerschaft ist die Liebe und die Bereitschaft sich den Lektionen der Liebe zu verschreiben. Egal wie viel sexuelle Anziehung, Abenteuer oder gemeinsame Interessen zwischen euch bestehen, nichts ist so wichtig wie das Gefühl wahrhaft zu lieben und geliebt zu werden. Hier sind ein paar Zeichen, die darauf hinweisen, dass dein Partner es ernst mit dir meint:
  • Er behandelt dich stets liebevoll und mit Respekt
  • Er zeigt Verständnis für deine Schwächen und achtet deine Bedürfnisse
  • Er ist in der Lage kleine Missverständnisse schnell aus der Welt zu schaffen
  • Er spricht respektvoll über seine Ex-Partner und hegt keinen großen Groll
  • Er ist an einer guten Beziehung mit seiner Familie interessiert
  • Er sagt dir ganz offen, dass er in Liebe wachsen möchte
  • Er arbeitet an seiner persönlichen und spirituellen Entwicklung (z.B. Meditation, Yoga...)
Darüber hinaus ist es wichtig zu klären, ob ihr beide die gleiche Bereitschaft habt euch mit ganzem Herzen auf die Beziehung einzulassen uns ob ihr Kinder haben wollt. Wenn ihr euch in diesen Punkten auf gleicher Wellenlänge befindet, werdet ihr besser in der Lage sein unterschiedliche Interessensgebiete oder Charaktereigenschaften zu tolerieren.

Zu Frage 5: Achte darauf, ob sich das, was dein Partner freiwillig für dich macht, gut anfühlt und du dich unterstützt fühlst. Das bedeutet natürlich nicht, dass du keine Vorschläge machen kannst oder ihm zeigst was dir gefällt. Solltest du aber zu viel selbst initiieren und die Kontrolle an dich reißen wollen, sei dir bewusst, dass dies die romantische Grundstimmung zwischen euch stören wird. Ein Mann fühlt sich im Allgemeinen in der führenden und gebenden Rolle am wohlsten, wohingegen eine Frau sich am liebsten umsorgt und unterstützt fühlt. Auch wenn in einer erfüllenden Partnerschaft beide Partner zwischen diesen zwei Polen hin und herwechseln können, ist es besonders für die anfängliche Romantik förderlich, wenn der Mann primär in seiner männlichen und die Frau primär in ihrer weiblichen Energie zuhause ist.

Zu Frage 6: Hier ist es wichtig, dass du eine gewisse erotische Anziehung für deinen Partner empfindest. Er muss äußerlich nicht dein Traummann sein, doch sollte dich der Gedanke an Sex mit ihm zumindest nicht komplett abturnen 😊. Leide schenken die meisten Menschen diesem Punkt die größte Aufmerksamkeit bei ihrer Partnerwahl und sind dann später enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass ihre Zukunfts- und Wertevorstellungen rein gar nicht zusammen passen.

Das sind sie also, die sechs Test-Fragen, die dir relativ zuverlässig zeigen können, ob ihr als Paar eine glückliche und erfüllende Zukunft vor euch habt. Wenn du dich von einem potentiellen Partner aktuell sehr stark angezogen fühlst, solltest du diese Fragen besonders aufmerksam durchgehen und speziell die negativen Aspekte näher beleuchten. Die Partnerwahl ist kein guter Zeitpunkt sich im positiven Denken zu üben! 😉

Fall irgendeine dieser Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, ist dies ein wichtiges Zeichen, dass es sich hier womöglich nicht um deine wahre Liebe handelt. Fall du aber alle sechs Fragen mit einem warmen Gefühl in deinem Herzen beantworten kannst, darf ich dich beglückwünschen. Euch steht eine wundervolle Zukunft bevor, denn den richtigen Partner zu finden ist mitunter der schwierigste Punkt in einer Beziehung.

Herzlichst,
Mira

Quelle: Tara Springett (2003): Soulmate Relationships. How to find, keep and understand your perfect partner, Piatkus.

Sonntag, 9. April 2017

Verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein


„Rassismus verletzt unsere ganze Gesellschaft, und bei genauem Hinsehen sind in jedem rassistischen System alle Menschen auf unterschiedliche Art betroffen. Weiße Menschen verlieren ihre Würde, wenn sie Rassismus ausüben oder geschehen lassen.“ (Sow 2008)

Das obige Zitat der afrodeutschen Musikerin Noah Sow verweist sowohl auf die Allgegenwärtigkeit rassistischer Gewalt, die eine säuberliche Trennung von ‚Betroffenen’ und ‚Nichtbetroffenen’ verbietet, als auch darauf, dass Rassismus den Verlust von Würde für Weiße bedeutet (nicht nur, wenn sie ihn ausüben, sondern ebenso, wenn sie ihn geschehen lassen).

So genügt es als Weißer mit antirassistischem Anliegen nicht, sich in Solidarität zu üben, nicht aktiv zu diskriminieren oder diejenigen, die das tun, anzugreifen. Selbst wenn wir ein antirassistisches Selbstverständnis haben, so sind wir doch aufgrund unserer gesellschaftlichen Position Teil einer Struktur, die uns zumindest von weißen Räumen nicht ausschließt (u.a. Familienfeiern, Vereine, Kneipen, Cafés und Discos, Parks, Wohngegenden, ganze Städte, Schulen, Universitäten und Betriebe). Weiße haben somit Anteil an einer rassistischen Struktur, welche sie wiederum elementar prägt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir als Weiße von Rassismus profitieren, ob wir dies individuell wollen oder nicht. Um sich mit dem eigenen Weiß-Sein auseinandersetzen zu können, ist es notwendig, darüber zu reflektieren, wie wir selbst sozialisiert wurden und woher unsere weißen Privilegien kommen. Diese Auseinandersetzung ist meist unangenehm, da unsere weißen Privilegien offengelegt werden (darunter auch das Privileg, sich nicht mit der eigenen Position auseinandersetzen zu müssen).

Insbesondere liberalen, demokratisch gesinnten Weißen fällt es schwer, sich mit ihrem Weiß-Sein auseinanderzusetzen, da sie sich dann mit ihrer eigenen dominanten Position und die damit verbundenen Privilegien konfrontiert sehen. Diese Erkenntnis widerspricht dem eigenen Selbstbild und es entsteht ein Konflikt, der abgewehrt wird, indem die Auswirkungen dieser privilegierten Position geleugnet beziehungsweise verharmlost werden (vielleicht habt ihr diese Dynamik bereits bemerkt, als es auf eurem Vorbereitungsseminar für einen Freiwilligendienst im Ausland um genau dieses Thema ging).

Im Folgenden stelle ich euch die häufigsten Abwehrmechanismen im Umgang mit dem eigenen Weiß-Sein vor (vgl. "Weißsein" und "Deutschsein" von Katharina Walgenbach).

Farbenblindheit
Menschen, die sich als „farbenblind“ bezeichnen, wollen rassistische Wahrnehmungsmuster und die Privilegien von Weiß-Sein unterwandern, indem sie sich weigern, Menschen über ihre Hautfarbe wahrzunehmen. Sie verstehen ‚Rasse‘ als etwas, das nur negativ, aber nicht positiv diskriminiert, so, als wäre es nur das ewige Reden über ‚Rasse‘, das Rassismus am Leben erhält. Die Vermeidung, sich wirklich radikal mit der eigenen „Hautfarbe“ und allem, was sie beinhaltet auseinanderzusetzen bedeutet jedoch lediglich sich nicht in historischen Zusammenhängen verorten zu müssen, in denen Weiße als Unterdrücker aufgetreten sind. Insofern ist das Gleichheitspostulat hier weniger als ein Entgegenkommen gegenüber Schwarzen, sondern vielmehr in seiner Schutzfunktion für  Weiße zu sehen, die so ihre eigenen negativen Vorstellungen und Gefühle abwehren und das „positive Selbst“ zu schützen versuchen. Für Schwarze Menschen bedeutet eine farbenblinde Gesellschaft daher keine Verbesserung. Ganz im Gegenteil, denn wenn alle Menschen als gleich betrachtet werden, alle vom gleichen Punkt aus starten, bedeutet das, dass niemand speziell gefördert werden muss. Ungleicher Zugang zu Ressourcen wird dabei außer Acht gelassen. Es werden Standardstrategien entwickelt, wobei es in einer weißen Mehrheitsgesellschaft, für Weiße unsichtbar bleibt, dass diese Standards weiße Standards sind, die eben nicht für alle passen. Schwarze Menschen werden auf diese Weise erneut benachteiligt´.

Bagatellisierung
Weiße erklären sich stundenlang, wenn sie Rassismus vorgeworfen bekommen. „Ich habe das nicht so gemeint“; „Du hast mich da falsch verstanden“; „Ich war gerade total nervös und mir ist das nur so rausgerutscht“; Sie reduzieren rassistische Situationen auf einen individuellen Ausrutscher anstatt anzuerkennen, dass sie durch die westliche Kultur stark von rassistischen Denkweisen und Strukturen geprägt sind. Weiße ignorieren gerne, dass Rasse etwas mit Macht zu tun hat. Die Reaktion selbst wird in den Mittelpunkt gestellt und als zu emotional, subjektiv oder einfach nicht gerechtfertigt bezeichnet.  Dadurch verkommt Rassismus zu einer Art kulturellem Missverständnis. Auch (bewusst) das Thema zu wechseln, wenn die Sprache auf Rassismus oder die eigene privilegierte Position fällt, ist eine Form, Rassismus zu bagatellisieren.

Vereinnahmung
Die Diskriminierung aufgrund eines rassischen Konstrukts wird mit Diskriminierungen aus anderen Bereichen gleichgesetzt, zum Beispiel mit sexistischer Diskriminierung. Weiße trivialisieren und reduzieren Rassismus, indem sie ihn mit anderen Unterdrückungsmechanismen vergleichen. „Wir sind doch alle im Kapitalismus unterdrückt.“ Weiße messen Rassismus demnach an der eigenen Wahrnehmung. Wenn sie sich sicher fühlen, gibt es auch keinen Rassismus. „Ich fand das aber gerade nicht so schlimm, dass dies oder jenes gesagt wurde.“ Weiße behalten sich vor zu entscheiden, was rassistisch ist. Das weiße Subjekt konstruiert sich dabei als bestimmende Instanz, dessen Absicht und Einschätzung mehr zählt als jede andere Wahrnehmung.

Zeitliche und räumliche Verortung
„Rassismus gibt es in der rechtsextremen Szene aber nicht hier!“ Rassismus wird in der Öffentlichkeit bevorzugt als Praxis extremistischer Gruppierungen benannt, nicht aber als alltägliche Diskriminierungsform und als Weltbild, das in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Eigene Nähen zu rassistischen Vorstellungen können dadurch ignoriert werden. Rassismus tritt stets als Problem von anderen auf, die nicht ‚wir’ sind. Im deutschen Kontext fällt es besonders schwer anzuerkennen, dass es Rassismus in dieser Gesellschaft gibt, da der Rassismus-Begriff auf die nationalsozialistische Judenverfolgung fixiert worden ist und man von sich selbst glauben wollte, alles damit Zusammenhängende hinter sich gelassen zu haben.

Das System weißer Dominanz zu Fall bringen
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenem Weiß-Sein schließt jedoch immer die Beschäftigung mit den eigenen Abwehrmechanismen ein. Das System weißer Dominanz kann schließlich nur von innen heraus zerstört werden. Das heißt, wir selbst müssen ein ausreichendes Maß an Sensibilität dafür entwickeln, unsere eigene Position der strukturellen Macht wahrzunehmen, zu reflektieren und dafür Verantwortung zu übernehmen. Eine solche kritische Selbstreflexion ist ein langer Weg und schlägt sich zunächst meist in Verhaltensunsicherheiten sowie Scham- und Schuldgefühlen im Umgang mit Schwarzen nieder. Die Folgen sind entweder, Begegnungen mit Schwarzen gänzlich auszuweichen oder aber die herabsetzenden Klischees und Gefühle zu leugnen und sich überfreundlich im Beisein von Schwarzen Mitmenschen zu verhalten. Nach einer weiteren Phase der Scham über die eigenen Rassismen, kann jedoch zu einer Einsicht in die eigenen Privilegien und zu einer sensibilisierten Wahrnehmung von Rassismus gelangt werden. Auf der Basis dieses reflektierten Weiß-Seins können dann neue Wertvorstellungen und Handlungsalternativen entwickelt werden, die einhergehen mit einer veränderten, kongruenten Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die oben beschriebenen inneren Spannungen aufgrund der fortwährenden Angstabwehr würden wegfallen. Die Gemeinsamkeiten, die zwischen Menschen verschiedener Herkunft bestehen, würden wahrnehmbar und erfahrbar. Die Unterschiede können gesehen werden, ohne dass sie eine Bedrohung darstellen und hierarchisiert werden. Verschiedenheit wird vielmehr als Herausforderung und Bereicherung erlebt. Schließlich können interkulturelle Beziehungsstrukturen geschaffen werden, die die gesellschaftlichen Machtverhältnisse nicht länger fortführen, sondern den Gedanken der Gleichberechtigung repräsentieren.

Die afrodeutsche Dichterin May Ayim hat einmal gesagt: „Die Wut der Schwarzen Frauen sollte auch die Empörung von weißen Frauen sein, denn wir alle werden mit Lügen, Halbwahrheiten und Mythen verdummt und manipuliert“ Mit diesem Zitat möchte ich betonen, dass eine rassistische Welt für niemanden die beste aller Welten sein kann – auch nicht für uns als profitierende Weiße.

Herzlichst,
Mira

(PS: Der Text ist ein abgewandelter Ausschnitt aus meiner Hausarbeit zu dem Thema. Bei Interesse schicke ich euch den Originaltext gerne zu)



Sonntag, 2. April 2017

Den großen Schritt wagen - was mir damals geholfen hat

Auf dem Weg in eine erfüllte Beziehung gibt es endlose Schritte, die nötig sind, um gemeinsam wachsen zu können. Angefangen mit dem Schritt sich überhaupt erst auf die Beziehung einzulassen; dann der mitunter riesen Schritt für den Partner in ein anderes Land zu ziehen, sich eine erste gemeinsame Wohnung zu suchen etc.
All diese Schritte kosten viel Mut und Nerven, doch der für mich größte Schritt war eindeutig die Heirat und die Entscheidung gemeinsam in Deutsch- land zu wohnen. Zum einen war ich generell kein großer Fan von Heiraten und zum anderen war auch Deutschland nie das Land, wo ich meine Zukunft sah. Und noch etwas bereitete mir Kopfschmerzen: Die vermeintlichen Reaktionen meiner Umwelt auf unsere Entscheidung. Ich wusste, dass manche Leute der festen Überzeugung waren, dass wir uns nach kurzer Zeit wieder scheiden lassen würden, weil John schließlich ein Betrüger ist, der mich nur ausnutzt, um an Geld und Papiere zu kommen.

Diese Vorstellung löste nicht gerade Begeisterung in mir aus, doch was sollte ich sagen? Hatte ich eine Garantie, die sie vom Gegenteil überzeugen würde? Nicht mal der Umstand, dass wir bis dato 2,5 Jahre zusammen waren und schon gemeinsam gewohnt hatten, konnte mich vor dessen vorschnellen Urteil bewahren. Nein, allein die Zeit würde den wahren Kern unserer Liebe offenbaren und auch ich war äußerst gespannt wie unsere Reise weitergehen würde...

Es gab also einige Gründe, die gegen eine Hochzeit sprachen. Was hat mir also in Momenten des Zweifels geholfen mich dennoch dafür zu entscheiden?

Kommunikation mit meinem Herzen

Ich habe mit der Zeit (vorwiegend auch von John) gelernt meinen Fokus nach Innen zu richten und mich in diesen Momenten stets zu fragen: Mira, was willst DU? Was ist der nächste Schritt, der für DICH jetzt stimmig ist? Welche Entscheidung löst ein Wohlgefühl in dir aus?

Diese Kommunikation mit meinem Herzen hat mich wieder zentriert und mit dem in Kontakt gebracht, was ich tief in meinem Inneren schon die ganze Zeit gewusst hatte: Ich will mit diesem Mann mein Leben verbringen, koste es was es wolle! Ich spürte eine so tiefe Liebe.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass es noch eines Zwischenschritts bedarf, um schlussendlich für den "großen Schritt" bereit zu sein. Wir haben uns daher erstmal für ein stinknormales Touristenvisum entschieden, damit wir eine mögliche Zukunft in Deutschland gemeinsam erfühlen konnten. Das hat sich stimmig angefühlt und etwas in mir konnte sich entspannen.

Herz und Verstand als gleichberechtigte Partner

Ich würde mich als Mensch mit hohen Idealen bezeichnen, der aber gleichzeitig mit beiden Beinen auf der Erde steht. Ich brauche den Kontakt zu meinem Herzen und folge auch gerne meiner Intuition. Dennoch habe ich einen sehr starken Verstand, der ebenfalls hinter meiner Entscheidung stehen muss. Damals, als ich mit Lamin an einem ähnlichen Punkt stand, hat mein Verstand gegen diesen Schritt rebelliert. Was war also dieses Mal anders?

Mir war es primär wichtig, dass mein Partner nicht länger als nötig von mir abhängig ist. Dafür bin ich wahrscheinlich zu sehr Wassermann ;-) Nein, im Ernst. Ich bin ein absoluter Fan von einer gleichberechtigen Partnerschaft und das bedeutet, dass mein Partner in Deutschland ebenfalls eine Chance auf ein eigenständiges Leben hat.

Diese Chance sah ich bei John deutlich ausgeprägter als bei Lamin. John hatte ein abgeschlossenes Studium als 3D Animator, welches ihn befähigt in Deutschland eine entsprechende Arbeitsstelle zu finden. Zum anderen war John viel offener anderen Kulturen gegenüber als Lamin. Als ich ihn kennengelernt habe, hatte er bereits alleine gewohnt und bewegte sich in einem sehr internationalen Umfeld. Ich war also zuversichtlich, dass er sich auch in Deutschland zurechtfinden würde.

Im richten Moment aktiv werden

All diese Punkte haben mir damals das Gefühl gegeben, dass unsere Beziehung nicht allein auf Luftschlössern basiert, sondern eine reale Grundlage besitzt, auf die wir aufbauen können. Als die ersten Wochen nach Johns Ankunft ins Land gezogen waren und sich die Dinge sehr positiv entwickelt hatten, wusste ich das nun der Zeitpunkt gekommen war für den nächsten Schritt. Zu unserer Überraschung war es dann sogar möglich auf seinem Touristenvisum zu heiraten ohne im Anschluss erstmal wieder auszureisen zu müssen. Wenn das nicht eine glückliche Fügung war...


Jetzt, fast zwei Jahre später, bin ich heilfroh diesen "großen Schritt" gewagt zu haben. John hat sich prima eingelebt und wir führen eine gleichberechtigte, erfüllende Partnerschaft.

Wie geht es dir diesbezüglich? Stehst du kurz vor einem solchen Schritt oder hast du ihn bereits hinter dir? Was sind deine aktuellen Bedenken bzw. was hat dir damals geholfen? Ich freue mich auf sämtliche Kommentare.

Herzlichst,
Mira