Mein Weg



Hier schreibe ich über meinen persönlichen Werdegang und teile vor allem meine Erfahrungen in binationalen Partnerschaften. Ich hoffe, dass Dir meine Geschichte als Inspiration für Deinen ganz eigenen Weg dient! 

Jugend auf dem Dorf!

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in der Nähe von Aachen. Meine Kindheit war behütet und unbekümmert. Erst als ich auf das Gymnasium gekommen bin, fing ich an unter der Einöde zu leiden. Ich wollte was erleben und mich ausprobieren, doch irgendetwas kam immer dazwischen. Entweder wollte mich keiner fahren, es gab nicht das entsprechende Angebot oder das, was angeboten wurde, fand ich doof. So verbrachte ich viel Zeit vor dem Fernseher und träumte von einer aufregenderen Welt irgendwo da draußen.
Als ich meinen Bruder bei seinem Austauschjahr in Amerika besuchte, überkam mich plötzlich dieses Gefühl von Freiheit und Lebendigkeit. Obwohl ich damals kaum Englisch konnte, fühlte ich mich in meinem Element und genoss jede Minute. Gleichzeitig wurde mir aber auch schmerzhaft bewusst, wie unglücklich ich in meinem Leben auf dem Dorf war. Ich war in einer mir nicht entsprechenden Umgebung aufgewachsen, auch wenn äußerlich alles in Ordnung zu sein schien. Nach Schulschluss habe ich die überwiegende Zeit im Bett verbracht, mich mit Süßigkeiten vollgestopft und mich selbst bemitleidet. Das konnte doch nicht alles sein...

Ein Jahr Down Under!

Mein Fernweh meldete sich immer deutlicher und so überredete ich meine Eltern, dass auch ich die 11. Klasse im Ausland verbringen durfte. Nach Australien sollte es gehen und dieses Projekt beflügelte mich von der ersten Minute an.
Untergekommen bin ich in einer bikulturellen Gastfamilie und besonders zu meinem Gastpapa, der von den Fidji-Inseln kam, hatte ich ein sehr inniges Verhältnis. Ich fühlte mich angenommen und genoss mein neues Leben fernab von zuhause. Ich fand viele gute Freunde, verlor wie von selbst meinen Kummerspeck und flirtete was das Zeug hält. Mein Leben kam mir zeitweise vor wie in einem Film, doch natürlich kämpfte ich auch in meiner neuen Heimat mit alten Selbstzweifeln. War ich wirklich "the cool German chick", für die mich alle hielten?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich damals viele unangenehme Gefühle einfach weggedrückt und mich lieber der Sonnenseite des Lebens zugewandt. Ich wollte all das nachholen, was ich scheinbar die Jahre zuvor verpasst hatte. Denn eins war mir klar: Ich wollte nie wieder so durchhängen wie früher...

Mein erster (schwarzer) Freund!

Trotz des Vorsatzes, dass jetzt alles anders werden sollte, fand ich mich nach meiner Rückkehr aus Australien bald wieder in meiner alten Unzufriedenheit wieder.
Die Dorfmentalität fühlte sich für mich so fremd an wie selten zuvor und so suchte ich online nach Gleichgesinnten. Über myspace lernte ich dann auch meinen ersten festen Freund kennen. Er war sechs Jahre älter und von Kamerun zum Studieren nach Aachen gezogen.  Diese Begegnung eröffnete mir eine ganz neue Welt. Ich genoss es sehr fortan ein Teil der kamerunischen Community zu sein, wo wir oftmals zusammen Musik hörten, gemeinsam kochten und auf Parties gingen. Ich war glücklich und mein Herz hatte sich noch nie für jemanden so weit geöffnet. Wir verbrachten meine gesamte Abiturzeit miteinander und wollten zu meinem Studienbeginn zusammenziehen.  Vorher wollte ich aber noch unbedingt nach Afrika. Manu musste zu der Zeit Prüfungen schreiben und so entschied ich mich für ein vierwöchiges Workcamp in Ghana...

Gefühlschaos in Ghana!

Von dem Moment an, als ich das Flugzeug verließ und den staubigen Boden betrat, fühlte ich mich in meinem Element. Zu Anfang kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Das Workcamp bestand aus 7 Einheimischen und 3 internationalen Freiwilligen. Wir schliefen alle gemeinsam in einer alten Dorfklinik und tagsüber halfen wir beim Errichten einer lokalen Bibliothek. Ich entdeckte ganz neue Seiten an mir und fühlte mich unglaublich lebendig. Ich genoss die Teamarbeit und den lockeren Umgang miteinander. Mit der Zeit entwickelte sich auch eine innige Verbindung zwischen mir und einem ghanaischen Teilnehmer. Er erzählte mir von seinen Gefühlen der Unzulänglichkeit und dass er kurz davor war sich das Leben zu nehmen. Er weinte in meinem Arm und mir ging das Herz auf. In dem Moment empfand ich eine so tiefgehende Liebe für diesen Menschen, die meinen Verstand überstieg und mich emotional total aus der Bahn warf. Nächtelang lag ich wach und versuchte herauszufinden, was das alles zu bedeuten hatte. Diese Reise hatte mich verändert und ich spürte, dass kein Weg mehr in mein altes Leben zurückführte. Ein neues Kapitel stand an...

Wildes Studentenleben!

Nach meiner Trennung baute ich instinktiv eine Art Schutzmauer um mich herum. Die enorme Wucht der Gefühle hatte mich zutiefst verunsichert und anstatt mich damit auseinanderzusetzen, stürzte ich mich lieber ins Studentenleben. Ich wollte was erleben und meine Freiheit auskosten. So machte ich anfangs viel Party, traf mich mit fremden Typen und probierte mich mit Drogen aus. Ich suchte Erfüllung im Außen und verlor dabei immer mehr den echten Kontakt zu mir selber. Je mehr ich dieses Loch der inneren Unzufriedenheit zu stopfen versuchte, desto abgeschnittener fühlte ich mich. Insgeheim sehnte ich mich nach diesem Lebensgefühl, dass ich in Afrika verspürt hatte.  Eines Abends vertraute ich mich Manu an, mit dem mich immer noch eine tiefe Freundschaft verband, und bat ihn um Rat. Er schlug vor, dass ich meine Semesterferien bei seinen Cousinen im Senegal verbringen könnte. Ich war begeistert und bald darauf saß ich wieder im Flieger gen Afrika...

Reise durch den Senegal!

Meine ersten Tage im Senegal waren mehr als frustrierend. Mein Schulfranzösisch hemmte meinen sprachlichen Ausdruck und das mittelständische Leben in Dakar fühlte sich für mich so gar nicht lebendig und aufregend an. Die Vorstellung, dass ich aufgrund des Ramadans die meiste Zeit im Haus verbringen und französisches Fernsehn glotzen würde, machte mich traurig, wütend und vollkommen desillusioniert. Eines Abends beschloss ich meine Sachen zu packen und mich auf eigene Faust weiter durchzuschlagen . Ich traf einen Rastafari namens Charli und wir beschlossen gemeinsam durch den Senegal zu reisen. Und da war es wieder: dieses unbeschreibliche Glücksgefühl. Jeden Abend woanders übernachten, die kleinen, herzerfüllten Begegnungen zwischendurch und viel Zeit meinem Inneren zu lauschen. Unsere Reise führte uns auch nach Gambia, dem kleinsten Land Afrikas, welches vollkommen vom Senegal umgeben und trotzdem so erfrischend anders ist. Ich fühlte mich dort auf Anhieb sehr wohl, weil ich einerseits wieder Englisch sprechen konnte und Gambia diesen easy going Charme hat. Bei diesem Zwischenstopp lernte ich auch Lamin kennen. Eine schicksalhafte Begegnung, die mein Leben erneut auf den Kopf stellen würde...

Verliebt in Gambia!

Lamin und ich lernten uns bei der Geburtstagsfeier von Charli's Cousine kennen. Er wohnte ein Haus weiter und wir unterhielten uns lange auf der Veranda. Ich war wie elektrisiert und machte in der Nacht kein Auge zu. Ich wollte liebend gerne mehr Zeit mit ihm und seinen Kumpels verbringen, doch Charli reagierte unverhofft eifersüchtig und versuchte mich zum Weiterfahren zu drängen. Überhaupt schien unsere Verbindung nicht sonderlich willkommen zu sein. So kam es, dass wir lediglich drei schöne Tage miteinander verbrachten. Doch insgeheim wusste ich schon damals, dass ich bald zurückkehren würde. Ich war wie geflasht von der Austrahlung dieses Mannes und hinterließ ein Stück meines Herzens in Gambia.
Diese Verbindung öffnete auch merklich den Kanal zu Gott. Ich sah ihn in allem, was mich umgab. Ich nahm alles viel intensiver wahr und fing an Bäume zu umarmen. Das letzte Stück bin ich dann alleine weitergereist und habe mich dabei tief erfüllt den Ereignissen hingegeben. Es war eine magische Zeit...

Ewiges Hin und Her!

Zurück in Deutschland schrieben Lamin und ich uns lange Briefe und E-mails. Ich wollte nur noch zurück nach Gambia. Ich war Hals über Kopf verliebt und malte mir schon aus wie wir gemeinsam am Strand sitzen und unseren Kindern beim Spielen zuschauten. Meine ganzen Gedanken kreisten fortan um das Thema. Ich las alle Foreneinträge die es gibt, in der Hoffnung dort Bestärkung zu finden. Doch das Internet war voll von Warnungen, dass diese Männer doch nur dein Geld und ein Visum wollen. All dies hatte mich stark verunsichert und so schwankten meine Gefühle von absoluter Euphorie hin zu starken Zweifeln und großer Skepsis dem Ganzen gegenüber. Ich wollte nicht auf irgendwelche Versprechungen reinfallen und mir dann Häme und Spott ernten. Es gab nur einen Weg es rauszufinden: Ich buchte erneut einen Flug und hoffte das Beste...

Die Entscheidung!

Gambia eröffnete mir eine andere Welt: Das einfache Leben. was ohne große Hektik auf mich einströmte. Ich nährte meine Spiritualität, indem ich "the power of now" von Eckhart Tolle verschlung und mich von den kleinen Begegnungen im Alltag inspirieren ließ. Vorallem aber zehrte ich von meiner Beziehung zu Lamin. Wir liebten uns von Tag zu Tag mehr. Er hat mir geholfen mich selbst mehr anzunehmen und meinen wahren Bedürfnissen mehr Raum zu geben.
Doch in dieser Zeit kamen auch schon einige Konfliktpunkte ans Licht. Lamin war gläubiger, wenn auch keineswegs fanatischer Muslim und er hatte die Schule aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht zuende machen können. Das war zwar in dem Moment für mich persönlich nicht von Bedeutung, doch bereitete es mir Kopfschmerzen, wenn ich an unsere gemeinsame Zukunft in Deutschland dachte. Nach fast zwei Jahren ständigem Hin und Her sah ich es schließlich als Wink des Schicksals das Lamins Touristenvisum abgelehnt wurde und trennte mich von ihm. Ich kann mich an keine Entscheidung erinnern, die mir je schwerer gefallen ist...

Fragen über Fragen!

Insgeheim war ich jedoch erleichtert. Ich fühlte mich dem ganzen Trubel einfach (noch) nicht gewachsen. Mein Projekt "Afrika" schien somit gescheitert zu sein und  mir blieb nichts anderes übrig, als mich wieder in Deutschland einzugliedern. Ich beneidete meine Freunde, die sich in der Zwischenzeit was aufgebaut hatten und so glücklich wirkten. Trotz ernsthafter Bemühungen schlich sich die altbekannte Unzufriedenheit wieder in mein Leben. Diesmal widmete ich mich statt Party und Drogen meiner spirituellen Seite und träumte sehnsüchtig von einer besseren Zukunft. Warum fühle ich mich hier so fehl am Platz? Was ist meine Bestimmung und warum richte ich mich verdammt nochmal viel zu oft nach den Meinungen der anderen statt wahrhaft auf mein Herz zu hören? All diese Fragen blieben lange unbeantwortet und führten mich letztlich im Rahmen eines ASA-Programms zurück nach Afrika...

Die Exotin wird sesshaft !?

Kurz vor Ende meines Studiums bewarb ich mich beim ASA-Programm auf ein Projekt, welches sich im Nord/Süd Austausch mit dem Übergang Schule/Beruf für benachteiligte Jugendliche befassen sollte. Ich war voller Vorfreude, da ich so erneut ein afrikanisches Land entdecken und gleichzeitig Menschen in ihre Kraft führen durfte, um ihr Potential zu entfalten. Doch diesmal wollte ich mich definitiv nicht verlieben. Im Gegenteil, die Spießerin in mir wollte einen guten Job in Deutschland finden, eine eigene Wohnung beziehen und idealerweise einen gut verdienenden Freund haben. Das war es was meine Familie am liebsten gesehen hätte und ich dachte, wenn es andere glücklich macht, warum dann nicht auch mich? Ehrlich gesagt war ich es so satt die Exotin zu sein, die sich zwar immer mutig auf den Weg macht, aber letztlich keine wirklichen Erfolge vorzuweisen hat. Kurz vor meinem Abflug stürtze ich mich in eine Affaire mit einem Deutschen und erhoffte mir insgeheim bald gemeinsam sesshaft zu werden. Doch er ging auf Abstand und ich gen Südafrika...

Südafrika - Land der Gegensätze!

Im ersten Moment habe ich mich doch zugegebenermaßen etwas betrogen gefühlt. Südafrika hat wenig mit Westafrika gemeinsam. Gerade Kapstadt ist sehr westlich geprägt und die winterlichen Temperaturen erschienen mir eiskalt im Vergleich zur gambianischen Tropenluft. Doch Südafrika besticht durch seine atemberaubende Vielfalt. Unterschiedliche Kulturen, Sprachen, Nationen und Religionen stoßen hier aufeinander. Guckt man sich die Schere zwischen Arm und Reich an, scheinen teilweise Welten dazwischenzuliegen. Ich habe mich damals aufgrund meiner priviligierten Position als weiße Freiwillige in beiden Welten bewegen können. Vormittags im Township Projekt und abends nach Belieben Cocktails trinken in den High Society Vierteln der Stadt. Diese Gegensätze sind gigantisch und ich für mich habe erkannt, dass ein guter Mittelweg von Nöten ist. Mitmenschlichkeit und Lebensfreude gepaart mit den Möglichkeiten für individuelle Selbstentfaltung und Genuss in jeglicher Form; beides ist mir wichtig und ich brauche einen Partner, der ebenfalls beides zu schätzen weiß. Und dieser war direkt vor meinen Augen...

Begegnung mit dem Seelenverwandten!

Ich bemerkte wie ich mich immer authentischer zum Ausdruck bringen konnte und dass ich einen wunderbar spirituellen Kern in mir trage, den ich mit anderen teilen mochte. Ich fühlte soviel Liebe in meinem Herzen und musste gleichzeitig feststellen, dass nur wenige um diesen Schatz im Inneren wissen und wahrhaft lebendig sind. Mir wurde bewusst, dass mich oberflächliche Gespräche nur auslaugen, wohingegen tiefgründige Gespräche mir neue Energie geben. Einer der wenigen Menschen mit dem ich diese Ebene teilen konnte, war John. Er schien zunächst völlig unscheinbar, da er zu der Zeit viel mit seinem Collegeabschluss beschäftigt war. Doch wenn wir uns sahen, war er immer sehr aufmerksam mir gegenüber und ich erahnte diese angenehme Tiefe in seinem Wesen. Wir begannen uns immer öfter alleine zu unterhalten und hatten beide das Gefühl, dass wir uns auf einer spirituellen Ebene schon ewig kannten...

Die Anfangsphase!

Wir sehnten uns zusehens nach mehr Privatsphäre und fingen an unsere Wochenenden in verschiedenen Backpackern zu verbringen. Da hatten wir dann zwar unseren Rückzugsraum, doch das Einchecken hat mir jedes Mal einen Stich versetzt. Es gibt ihn immer noch, diesen schwarz/weißen Rassismus, der zwar nicht offen ausgesprochen wird, aber dennoch wie eine schwere Wolke in der Luft liegt. In der Öffentlichkeit war ich oft extrem angespannt, nur um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, dass es bei unserer Beziehung lediglich um Sex oder Geld geht.
Unsere Anfangsphase wirkte auf mich daher zwar einerseits sehr aufregend und belebend, auf der anderen Seite war mir die geballte Aufmerksamkeit auch furchtbar unangenehm. Ich hätte mich am liebsten gemeinsam mit John irgendwo verkrochen. Sobald wir alleine und am besten noch in der Natur waren, konnte ich mich innerlich entspannen und wir spürten beide diese Seelenverwandtschaft. Wir hatten die gleichen Gedanken, träumten von ähnlichen Dingen und ich habe mich noch nie so berührt gefühlt wie von John. Bei ihm konnte ich weinen, mich ungeschminkt zeigen und wunderbar Blödsinn machen. In diesen Momenten war ich tief erfüllt von Liebe und wusste, dass ich diesen Mann einmal heiraten werde...

Pro und Kontra!

Doch gleichzeitg war da diese Hemmung. Ich wollte mich nicht schon wieder in eine ähnlich verzwickte Lage begeben wie mit Lamin. Doch unterschwellig wusste ich schon seit langem, dass mein Glück in Afrika in Form eines Mannes auf mich wartet. Das Leben schien mich immer wieder darauf hinweisen zu wollen. Dieses Mal schien es sogar wirklich gut zu passen. Wir teilten die gleiche spirituelle Grundeinstellung, John hatte einen Collegeabschluss mit internationalen Arbeitsperspektiven und ich stand ebenfalls kurz vor meinem Bachelorabschluss und damit vor neuen Freiheiten. Das jedenfalls waren die Pro-Stimmen in meinem Kopf. Die Gegenstimmen kamen wiedermal  in Form von Zweifeln und Zukunftsängsten. Was, wenn sich alles erneut als Flopp entpuppt? Ist John überhaupt mein Typ? Er ist ja schon manchmal ziemlich verplant. Sowiso, warum ziehe ich immer Männer an, die es nicht leicht im Leben haben und die ich dann finanziell unterstütze? Bisher hatten sich all die großen Erwartungen an meine Exfreunde jedenfalls nicht erfüllt. Der Abschied kam und ich flog mit all den schönen Erinnerungen, meiner neuentfachten Vision, aber auch mit meinen altbekannten Ängsten und Zweifeln zurück nach Deutschland...

Unverhofftes Geburtstagsgeschenk!

Nach meiner Rückkehr war ich ziemlich durcheinander und wusste nicht, wie ich das Erlebte an meine Freunde und Familie weitervermitteln sollte. Meine Eltern wünschten sich, dass ich doch jetzt endlich mal meinen Bachelorabschluss mache und entweder arbeiten gehe oder einen geeigneten Master dranhänge. Ich könne schließlich nicht ewig finanziell von ihnen unterstützt werden und mir in Afrika ein schönes Leben machen. Ich gab ihnen Recht und tat mein Bestes, um einen guten Abschluss zu bekommen.
An meinem Geburtstag bekam ich dann ein unverhofftes Geschenk. Der Frauenarzt hatte festgestellt, dass ich schwanger bin. Wumms! Aus irgendeinem Grund hatte sich mein Eisprung um zwei Wochen verschoben und so hatten wir im Wald von Newlands neues Leben erzeugt. Der Zeitpunkt war allerdings furchtbar ungünstig, denn ich fühlte mich in meiner Situation keineswegs bereit für Nachwuchs, vor allem da ich John ja im Endeffekt kaum kannte. Es war Zeit mal wieder Zeit eine Entscheidungen zu treffen...

Der Ruf meines Herzens!

Hier saß ich nun also: schwanger, ohne Abschluss und ohne Plan. Nach zahlreichen Gesprächen und ausgiebigem Inmichgehen, habe ich mich schlussendlich für eine (medikamentöse) Abtreibung entschieden. In dieser Zeit bin ich mit viel Schuld und Scham in Berührung gekommen, doch im Grunde meines Herzens war ich mir so sicher wie lange nicht. Ich wollte weder einen Master machen, noch mir einen "guten" Job suchen oder ein Kind großziehen. Ich wollte zurück zu John nach Kapstadt und dort meiner Vision folgen. Dabei halte ich dieses ungeborene Baby bis heute in Ehren, denn ich bin der tiefen Überzeugung, dass es mich und John wieder zusammengeführt hat.
Rückblickend war es ein wichtiger Schritt ins Erwachsenwerden für mich. Mir wurde bewusst, dass ich mich in diesem Fall nicht an den Rat meiner Eltern, Freunde oder irgendeines Geistlichen halten konnte. Ich musste eine Entscheidung treffen, die ich vor mir vertreten kann und ich bin froh, dass ich dabei auf mein Herz gehört habe...

Mutiger Schritt ins Ungewisse!

Von da an schrieb ich meine einst so zähfließende Bachelorarbeit in Rekordzeit, ohne mich im Geringsten davon stressen zu lassen. Ich hatte ein Ziel vor Augen und ich stand dahinter. Ich war wie befreit und auf einmal erschien auch Deutschland nicht mehr so grau und trist. Ich hatte einen tollen Frühling mit meinen Freunden, bevor es dann im Mai zurück nach Kapstadt ging. Ich besorgte mir einen Minijob in einem Backpacker in Kommetjie (wunderschöner Fleck Erde auf der Southern Peninsula), so dass ich zwar unabhängig aber dennoch ganz in der Nähe zu John war. Um mir diesen Trip überhaupt leisten zu können, brauchte ich Geld. Schweren Herzens lieh ich mir 3000 Euro von meiner Mutter, welche mir jedoch allzugerne zahlreiche Geschichten von Frauen erzählte, die einst ebenfalls diesen Schritt gegangen sind und dann bitter enttäuscht wurden. Ich fühlte mich ohnmächtig, denn was sollte ich entgegnen? Dass das mit John etwas ganz Besonderes ist und meine Intuition mich leitet? Ich hatte keinerlei Garantie und ein Teil von mir dachte sogar ebenfalls ich wäre vollkommen leichtsinnig und naiv. Doch seinem Herzen zu folgen, erfordert so manches Opfer und vor allem den mutigen Schritt ins Ungewisse...

Auswandern für die Liebe!

Im Flieger saß ich zufälligerweise neben einer anderen ASA-Teilnehmerin, die ebenfalls auf dem Weg nach Südafrika zu ihrem zimbabwianischen Freund war. Eine weitere ehemalige ASAtin war bereits zwei Monate zuvor wieder nach Kapstadt zu ihrem Freund zurückgegangen. Dieser "Zufall" gab mir damals unglaubliche Unterstützung. Drei mutige Mädels. die sich auf das Abenteuer "Auswandern für die Liebe" eingelassen hatten. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht wie schwierig dieser Weg teilweise sein würde, doch wir waren alle drei motiviert es zumindest zu versuchen, ganz nach dem Motto "Zurückkehren kann man ja schließlich immer noch". Doch wir glaubten an die Liebe und wollten mir unserer Rückkehr der Beziehung eine reale Chance geben. Auch standen wir alle drei am Ende unseres Studiums und wussten ohnehin nicht so recht wie es danach weitergehen soll.
Wir alle hatten uns in Südafrika wohlgefühlt und reisten daher nicht nur wegen der Liebe, sondern auch wegen dem atemberaubenden Land aus. Wir nahmen unser Schicksal in die Hand, trafen eine mutige Entscheidung und verließen das sichere Deutschland für das so kontrastreiche Südafrika...

Zwei Panther beschnuppern sich!

Die Ankunft in Südafrika war dann ein wenig desillusionierend. All die Monate zuvor hatten John und ich ausgiebig geskypt und stundenlang telefoniert. Ich hatte das Gefühl dieses Menschen zu kennen, und doch fühlte sich die erste Umarmung am Flughafen erstmal fremd an. Das soll mein Traumprinz sein? - schieß es mir durch den Kopf. Wir brauchten Zeit um uns wieder aneinander zu gewöhnen und so waren wir anfangs ziemlich "öffentlichkeitsscheu". Unser ganzes Interesse galt dem Erforschen dieser magischen Verbindung und alles andere war nebensächlich oder gar kontraproduktiv. Wir waren wie zwei Panther, die vorsichtig umeinander schlichen, um sich zu beschnuppern. So manches Mal frustrierte mich John's Art. Ich war dann teilweise sehr direkt und stieß ihn damit vor den Kopf. Glücklicherweise konnten wir immer (wenn auch meist erst nach etwas Abstand) darüber reden und uns aussöhnen. Wir lernten uns zunehmend offener und verletzlicher zu zeigen.
In dieser Phase fand viel Heilung statt. Die alten Wunden wurden aufgerissen und wir mussten lernen sie mit Liebe und Verständnis zu versorgen. Die Realität, samt einem großen Sack unangenehmer Gefühle, wollte akzeptiert werden...

Zeit für inneren Wachstum!

Sowiso befasste ich mich in den ersten paar Monaten nach meiner Rückkehr intensiv mit meinem Innenleben. Ich genoss ausgedehnte Spaziergänge am Strand oder in den Bergen. Ich schrieb regelmäßig Tagebuch und festigte dadurch meine Einsichten. Auch verbrachte ich viel Zeit in der lokalen Bibliothek oder in gemütlichen Cafés. Ich schmöckerte in sämtlichen Selbsthilfebüchern und saugte dessen Weisheiten förmlich auf. Zudem ging ich meinen Leidenschaften nach, indem ich verschiedene Tanzstile (Niadance, Afrodance und Biodanza) ausprobierte und im  Chor sang. Ich wollte mir treu sein und mich nicht länger nur den Erwartungen meiner Umwelt unterordnen. Der Abnabelungsprozess war eingeleitet und ich entwickelte mich zunehmens in Richtung Selbstverwirklichung. Das führte jedoch auch dazu, dass mir die Arbeit im Hostel immer lästiger wurde. Ich tat meinen Job nur noch halbherzig und so eskalierte die Situation schließlich. Es wurde deutlich, dass John und ich uns eine eigene Wohnung suchen mussten...

Unsere erste Wohnung!

Natürlich hatten wir beide großen Respekt vor diesem Schritt, doch unsere alten Leben stellten definitiv keine Alternative mehr dar. Gottseidank bekam ich einen tollen Job bei einer deutschen Freiwilligenorganisation und so konnten wir uns ein eigenes Gartenhäusschen (nur 5 Minuten vom Fish Hoek Strand entfernt) und einen gebrauchten Peugeot leisten. Nun waren wir also eine kleine Familie. Wir wohnten gemeinsam, hatten beide unsere Jobs und genossen sudgiebig die Freizeit zusammen. Ich nutzte diese Zeit auch vermehrt für die Erforschung meiner selbst. Ich wühlte mich durch meine alten Konditionierungen und dringte dadurch immer mehr zu meinem wahren Kern vor. Manchmal war ich regelrecht euphorisiert von meinen Empfindungen und an anderen Tagen hing ich wieder halb in der Depression. Doch ich lebte mein eigenes Leben und das fühlte sich extrem gut an. Ich fing an in einem Jugendzentrum im nahegelegenen Township auszuhelfen und dachte mir mit den Kids Theaterspiele aus und bot eine Art Berufsberatung an. Ich ging weiterhin viel in der Natur spazieren und stärkte somit meine Verbindung zum Höheren...

Unglückliche Umstände!

Während ich mit meinem Leben also immer zufriedener wurde, war John in der Anfangszeit eher unglücklich. Er arbeitete oft 10-12 Stunden am Tag in einem Game Studio und verdiente dennoch weniger als ich mit meinen 10 Stunden/Woche. Dieses Ungleichgewicht war eine echte Belastungsprobe für unsere Beziehung. Es war offensichtlich, dass wir aufgrund unserer Hautfarbe in zwei verschiedene Klassen eingeordnet werden. Manchmal dachten die Leute sogar, John wäre mein Gärtner, weil sie sich anders nicht vorstellen konnten, wieso wir zusammen in einem Auto saßen. Doch wie sollten wir uns gegen diesen Alltagsrassismus wehren? John wollte endlich frei von dieser Fremdbestimmung werden, aber wo sollte dann das Geld herkommen? Als wir über die Weihnachtstage zu seiner Familie nach Johannesburg flogen um etwas Abstand vom Alltag zu bekommen, wurde allen klar, dass sich etwas ändern musste. Kurz nach unserer Rückkehr kündigte John seinen Job...

Die Kunst der liebevollen Akzeptanz!

Obwohl wir intuitiv darauf vertrauten, dass er schon was passendes finden würde, aktivierte diese Phase der Arbeitslosigkeit auch ungeahnte Ängste in uns beiden. So glaubten wir einerseits an unser Potenzial, doch schlichen sich immer wieder Zweifel ein. John bekam in der Zeit viele Absagen. War er vielleicht doch nicht so talentiert, wie ich angenommen hatte? Ich war verunsichert und das merkte auch John. Er wollte mir unbedingt beweisen, dass er nicht dem stereotypen Bild eines Afrikaners entspricht und so arbeitete er meist bis tief in die Nacht an seinem Portfolio.
In dieser Phase mussten wir uns beide mit unseren Dämonen auseinandersetzen und endlich Frieden mit der Situation schließen. Wir hatten zwar nicht viel Geld, aber trotzdem alles wichtige zum Leben. Und wir hatten Zeit. Zeit für uns als Paar und Zeit für unsere persönlichen Projekte. Wir waren gezwungen unser Streben nach Anerkennung und äußeren Erfolg zurückzustecken und die gewonnene Zeit erstmal in unsere persönliche Entwicklung investieren. Wir lernten die Kunst, uns so zu akzeptieren wie wir sind. Weißgott keine einfache Sache...

Familienbesuch!

Wie fremdbestimmt ich trotz allem war, zeigte sich besonders bei Familienbesuchen. Schwupps hing ich wieder in alten Verhaltensweisen aus Kindheit und Jugend. Ich wollte meine Eltern stolz machen, so wie es sich für eine "gute Tochter" gehört.
Doch wie sollte das gehen mit einem läppischen 500 Euro Job und einem arbeitslosen Partner, der mir materiell nichts zu bieten hatte? Wie sollte ich ihnen verständlich machen, dass ich dennoch glücklich bin, glücklicher als ich es in Deutschland jemals war? Meine Eltern mochten John und legten uns auch nicht direkt Steine in den Weg. Aber ihre Sozialisation machte es ihnen nicht leicht der Situation zu vertrauen oder mich gar zu ermutigen auf meinem Weg. Sie wünschten sich, dass ich näher an Zuhause bleibe und mich nicht blindlinks auf die rosaroten Gefühle verlasse. Dabei bin ich vom Typ her gar nicht "blindlinks" und "rosarot".
Ich plane gerne meine Zukunft und könnte Stunden mit der Recherche von allen denkbaren Eventualitäten verbringen. Ich war mir sehrwohl bewusst, was alles schief gehen könnte, doch hielt mich dies nicht davon ab es wenigstens zu versuchen. Ich konnte nicht erwarten, dass meine Umwelt mich verstand und so blieb mir erstmal nichts anderes übrig, als ihre Besorgnis auszuhalten und nicht aufzugeben...

Deutschland: ja oder nein?

John fand bald darauf eine neue Arbeit als Level Designer. Wir hatten wieder einen geregelten Alltag. John kam spät abends nach hause und bis auf Abendessen, Film gucken oder baden gehen, war der Tag gelaufen. Sollte das das Leben sein, welches so viele Leute als erstrebenswert ansehen? Für uns war es es definitv nicht. Ich sehnte mich nach Veränderung und so kam mir der Gedanke, ob es nicht doch besser für uns wäre ein paar Jahre nach Deutschland zu gehen. John könnte dort gewiss besseres Gehalt verlangen und ich hätte die Chance noch einen Master zu machen. Trotz guter Aussichten hatte ich auch einige Bedenken. Wieso sollte ich in das Land zurückkehren, was sich für mich nie so recht nach Heimat angefühlt hat? Was, wenn wir an dieser Hürde scheitern würden? Hatte ich mich nicht bereits gegen einen Master entschieden? Ich wollte doch meinem Herzen treu bleiben und eine Coaching Ausbildung beginnen. War mein Sicherheitsdenken nun doch stärker als meine Vision? Ich wägte alle Optionen ab und entschied mich dann für das Masterstudium in Deutschland...

Zeit für Empowerment!

Also schrieb ich mich in den Master Empowerment&Development an der Hochschule Düsseldorf ein. Dieser Master hatte mich besonders angesprochen, weil ich erstens das Thema Empowerment sehr spannend und wichtig finde und weil ich mir insgeheim durch den Fokus auf Entwicklungszusammenarbeit auch bessere Chancen auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt erhoffte.
Nach einigen Wochen in Deutschland wurde ich allerdings erneut von Nieder-geschlagenheit und Überforderung heimgesucht. Die Uni machte mir Druck, ich vermisste mein altes Leben mit John in Fish Hoek und da ich anfangs noch bei meiner Cousine unterkam, hatte ich keinen eigenen Rückzugsort. Dabei wollte ich doch nur "Ich" sein. Warum fiel mir das so schwer? Ich kämpfte mit aller Kraft bis ich eines Tages heulend meine Mutter anrief und sie um Hilfe bat. Es bestand der Verdacht auf Depression. Dadurch war ich gezwungen vom äußeren Druck und von den Erwartungen der anderen loszulassen und wieder bei mir und meinen Bedürfnissen anzukommen. Es war höchste Zeit mich selbst zu empowern...

In der Ruhe liegt die Kraft!

Ich zeigte mich von da an auch gegenüber meiner Familie verletzlicher und ein ganzes Stück authentischer. Ich schaltete einen Gang zurück und hielt mich von stressigen Situationen fern. Ich tat nach Möglichkeit nur das, was für mich stimmig erschien und sorgte gut für mich. Dadurch erholte ich mich schnell wieder und gewann eine ganz neue Perspektive auf die Dinge. Interessanterweise war ich nun so leistungsfähig und locker wie selten zuvor. Ich bestand alle Prüfungsleistungen mit Bravur und die Uni fing an Spaß zu machen. Auch ging ich wieder Salsa tanzen und besuchte gemeinsam mit Kommilitionen interessante Veranstaltungen. Rück- blickend war es also eine wichtige Zeit für mich und mein persönliches Wachstum. Auch der Kontakt zu John war in dieser Zeit sehr intensiv und wohltuend für mich. Ich kann mich ihm wirklich vollkommen anvertrauen und fühle mich in meinem Sosein gesehen und geliebt. Wir entschieden uns nun endgültig dafür im kommenden Jahr zu heiraten, um uns gemeinsam in Deutschland ein Leben aufzubauen...

Den nächsten großen Schritt wagen!

Der Großteil der Leute freute sich zwar für uns und unser Vorhaben, doch besonders Verwandtenbesuche stellten mich vor eine unangenehme Herausforderung. Zum Glück war John's Ausbildung als 3D Animateur international anerkannt, so dass ich immer wieder verkündete: Keine Sorge, er hat gute Chancen hier einen Job zu finden. Und ja, wir haben es uns gut überlegt und wollen diesen Schritt gehen. Doch ich musste mir auch eingestehen, dass ich mir das ganze Prozedere deutlich einfacher vorgestellt hatte. All die Dokumente, die beantragt werden mussten sowie Dauer und Gebühren der Bearbeitung schreckten mich ab.  Wir entschieden uns daher erstmal für ein 3-monatiges Touristenvisum. So konnte John Deutschland kennenlernen, wir konnten den Alltag testen und wenn er ganz viel Glück hat, findet er ein passendes Jobangebot und kann dann mit einem Arbeitsvisum nach Deutsch- land einreisen. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, hat eine Hochzeit aus Visazwecken immer einen faden Beigeschmack. Mit Lamin hatte ich mir diesen Schritt daher noch nicht vorstellen können, aber jetzt wollte ich einfach nur mit John zusammen sein...

Alles auf eine Karte setzen!

Im April war es dann so weit. John hatte sein altes Leben in Südafrika quasi aufgegeben und alles auf eine Karte gesetzt. Er kam zwar nur auf einem 3monatigen Touristenvisum, doch der Plan war es nach Möglichkeit in dieser Zeit zu heiraten, vorrausgesetzt wir konnten uns beide ein Leben in Deutschland vorstellen. Im Internet hatte ich gelesen, dass es Wege gab sein Touristenvisum (ohne Rückkehr in die Heimat) in einen dauerhaften Aufenthaltstitel umzuschreiben. Wie verrückt sich das für Außenstehende angehört haben muss, weiß ich nur andeutend. Für mich galt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Die erste Zeit wohnten wir im Hause meines Vaters. So konnten wir Geld sparen und erstmal in Ruhe ankommen. Doch die Situation brachte auch Nachteile mit sich: Wir schliefen gemeinsam in meinem alten Kinderzimmer und ich war wieder "daddy's little girl", was für unser Liebesleben nicht gerade zuträglich war. Zudem lebt mein Vater auf dem Land, so dass es für uns kaum Weggehmöglichkeiten gab. Wir wollten gerne irgendwo gemeinsam ankommen statt ständig in der Luft zu hängen. Daher leiteten wir alle nötigen Schritte für eine Blitzhochzeit ein...

Wirrwarr in Sachen Visum!

Ich informierte mich bei der Ausländerbehörde und man teilte mir mit, dass man nicht nach Deutschland einreisen dürfe mit dem Plan hier zu heiraten. Das sei schließlich Visumsmissbrauch und wäre daher nicht gestattet. Doch falls wir uns während eines Touristenaufenthaltes spontan dazu entscheiden sollten zu heiraten, sei es möglich direkt im Anschluss den Aufenthalt für Familienzusammenführung zu beantragen. Eine Rückkehr in die Heimat sei dann nicht mehr nötig. Vorraussetzung war allerdings, dass John den A1 Test besteht und wir rechtzeitig einen Termin beim Standesamt samt Ehefähigkeitszeugnis bekämen.
Ich hing mich voll in die Vorbereitungen, während John fleißig Deutschvokabeln büffelte. Es war eine stressige Zeit, doch die behörden schienen es gut mit uns zu meinen. Wie durch ein Wunder erhielten wir sämtliche Unterlagen viel früher als erwartet, so dass wir wenige Tage vor Ablauf des Visums heiraten konnten...

Das frische Eheglück!

John und ich bestärkten uns in dieser Zeit viel gegenseitig. Wir wussten, dass wir zusammengehören und dass ein erfülltes Leben vor uns lag. Die Hochzeit war dafür ein entscheidender Schritt. Es war eine schöne Trauung in kleinem Kreis und ich war glücklich. Wir hatten es geschafft! Nach einem spontanen Hochzeitstrip nach Rom, erschien es uns noch unpassender bei meinem Vater zu wohnen. Wir entschieden uns in Aachen nach einer bezahlbaren Wohnung zu suchen und wie es der Zufall so wollte, konnten wir schon wenige Tage später unser neues Zuhause beziehen. Mühelos fügten wir uns in die neue Umgebung ein. Wir genossen den Sommer als frischgebackenes Ehepaar. Durch Zufall haben wir auch erfahren, dass John durch die Familienzusammenführung Anspruch auf ALG II und einen Integrationskurs hat. Ich leitete alles in die Wege und war zutiefst dankbar für den Verlauf der Dinge. Jetzt hatten wir endlich die Möglichkeit ohne finanziellen Druck an unseren persönlichen Projekten zu arbeiten. Ich absolvierte daher eine Coachingausbildung und hing meinen Fantasien von einem Coachingprogramm für binationale Paare nach. John entwarf sein erstes Computerspiel und erkundete seine Spiritualität...

Innen_ und Außenwirkung!

Wir fühlten uns wahrlich reich beschenkt, doch nach außen waren wir ein Paar, welches es aufgrund Sprachbarrieren und Arbeitslosigkeit nicht leicht hat. Dieser Kontrast zwischen Innen- und Außenwirkung machte uns teilweise immer noch schwer zu schaffen, so dass wir auch ernsthaft in Erwägung zogen uns einfach dem System anzupassen. Insgeheim wissen wir aber beide, dass uns auch das nicht glücklich machen würde. Wir verfolgen einen anderen Lebensstil, welcher freier, einfacher und naturverbundener ist. Wir haben eine gemeinsame Vision und dafür sind wir bereit hart zu arbeiten. One step at a time...